Ostendorfers Holzschnitt-Porträt des Hans Sachs
( OSTENDORFERIANA VI)
[ 1.
Leben und Werk des Hans Sachs (1494-1576) ]
[ 2.
Zur Rezeption von Werk und Gestalt ]
[ 3. Die tradierten
Bildnisse des Hans Sachs ]
[ 4.
Das Sachs-Bildnis Ostendorfers ]
[ 5. Zur
Verbreitung und Nachfolge des Ostendorfer-Blattes ]
[ 6.
Ostendorfer "Hand" im Sachs-Bildnis ]
[ 7. Die Texte zu
Ostendorfers Sachs-Porträt ]
[ ANMERKUNGEN ]
[ LITERATUR
]
Ein relativ bekanntes Werk Michael Ostendorfers[1]
ist dessen
1545 entstandener Holzschnitt mit dem Porträt des Nürnberger „Schuhmachers
und Poeten“ Hans Sachs (Abb. 1),
wenngleich auch kaum einer, der dieses Bildnis kennt, den Zeichner des Blattes
mit Namen zu nennen wüßte. Zu wenig ist er beachtet worden, zu lange hat man
ihn wohl auch verkannt: Die Darstellung galt früher als ein Werk Hans Brosamers
und wurde erst im frühen 20. Jahrhundert Michael Ostendorfer zugeschrieben.[2]
Die ursprüngliche Unsicherheit der Autorschaft rührt von der Tatsache, daß
das als Flugblatt verbreitete Porträt nicht signiert ist, den ausführenden Künstler
nicht nennt. Nur der Drucker ist am Schluß des Textes angegeben; es ist dies
einer der bedeutendsten Nürnberger Drucker und Formschneider der 1. Hälfte des
16. Jahrhunderts, Hanns Guldenmundt.
Er war, wie damals üblich, zugleich der Verleger und Vertreiber
des Blattes, wird aber zuweilen mit dessen künstlerischem Urheber verwechselt.[3]
Doch ist bei
einem solchen Blatt grundsätzlich der Zeichner der Vorlage vom Formschneider
(der die Druckform aus dem Holzblock schnitzt) zu unterscheiden, und dieser
wiederum vom Drucker, der den Stock einfärbt und auf Papier abzieht. Der
Zeichner des vorliegenden Blattes aber ist ohne Zweifel Michael Ostendorfer.
Der Holzschnitt zeigt den Dargestellten in großer, das Bildfeld füllender Halbfigur. Darüber befindet sich eine deutsche Überschrift: Des Hanns Sachsen bildnuß (= Bildnis), sowie eine lateinische Laudatio auf den damals im weiten Umkreis berühmten Dichter. Unterhalb der Bildfläche schließt sich ein gereimter deutscher Text an, der ebenfalls den Lobpreis des Hans Sachs verkündet. Bevor wir uns auch diesen beiden Texten zuwenden, sollen die Person und die Bedeutung des Schuster-Poeten vorgestellt sowie der Porträt-Holzschnitt Ostendorfers - im Zusammenhang mit der Tradition anderer Sachs-Bildnisse - ausführlich betrachtet werden.
1. Leben und Werk des Hans Sachs (1494 - 1576)
Wohl jeder von uns kennt Hans Sachs als Hauptfigur der Richard-Wagner-Oper Die Meistersinger von Nürnberg. Wir glauben von daher zu wissen, daß er ein tüchtiger, biederer Handwerker war, der nebenbei gedichtet und als „Meistersinger“ ein Ideal deutscher Sprach- und Sangeskunst verkörpert hat. Der Merkvers „Hans Sachs war ein Schuh-/macher und Poet dazu“ ist gängige Formel des Bildungswissens nicht allein an Nürnberger Schulen. Vielen von uns ist auch gegenwärtig, daß die sprichwörtliche Mahnung „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ ursprünglich auf Sachs gemünzt ist [4], und man pflegt daraus stillschweigend abzuleiten, daß er ein schlechter Dichter gewesen sei, daß er das Schuhemachen viel besser verstanden habe als das Reimen. Wer und was war er denn nun wirklich, dieser Hans Sachs? [5]
Obwohl sein Vater Schneider und er selbst Schuster war, also dem mittelständischen Handwerk angehörte, wurde Hans Sachs zu einem literarisch vielseitig gebildeten Mann. Geboren am 5. November 1494 in Nürnberg, konnte er vom 7. bis zum 15. Lebensjahr die Lateinschule besuchen, was für einen Handwerkersohn seinerzeit durchaus nicht selbstverständlich war. Vom 15. bis 17. Lebensjahr absolvierte er eine Schusterlehre und begann 1511 seine Gesellenwanderschaft, auf der er in deutschen Landen weit herumkam und überall die Augen offenhielt. Bereits zu dieser Zeit begann er, Verse zu verfassen, in denen er z. B. auch seine erste Liebeserfahrung verarbeitete. 1516 kehrte Hans Sachs nach Nürnberg zurück, um es kaum jemals wieder zu verlassen. Er heiratete 1519 die siebzehnjährige, mit einem Erbe gut versorgte Waise Kunigunde Creutzer, wurde 1520 Meister des Schumacherhandwerks und etablierte sich rasch als Schuster, Hausbesitzer und Familienvorstand, und nicht zuletzt auch als „Meistersinger“.[6]
So nannten sich seit dem 14. Jahrhundert die Mitglieder städtischer Gesellschaften (vor allem in Süddeutschland), welche sich zum Zweck des Dichtens und Vortragens von „Meisterliedern“ zusammengeschlossen hatten. Meist rekrutierten sie sich aus dem Handwerkerstand, nur selten waren Geistliche, Lehrer oder Juristen darunter; sie alle übten ihre Sangeskunst nebenberuflich aus. Kennzeichnend für die Meistersinger war ein ausgeprägtes Bewußtsein für den hohen Rang und die Bedeutung ihres Kunstgesangs, die sie durch die strenge Form des Meisterliedes und durch die an strikten Normen orientierte Austragung von Singwettbewerben untereinander zu gewährleisten suchten.[7]
Schon
als Schusterlehrling wurde Hans Sachs in den Nürnberger Meistersang eingeführt.
Auch auf der folgenden Wanderschaft lernte er viele auswärtige Gesellschaften
kennen; dabei reifte sein Entschluß, sich nebenher der Dichtkunst zu widmen.
Und so hat er denn im Lauf seines Lebens auch mehr als 4200 Meisterlieder
verfaßt.[8]
Durch Sachs nahm der Nürnberger Meistersang, der bei seiner Rückkehr
von der Wanderschaft durch internen Zank und Hader beinah im Verfall begriffen
war, wieder erheblichen Aufschwung; Hans Sachs gewann damit weit über seine
Heimatstadt hinaus Bedeutung für die Entwicklung dieser eigentümlichen
Literaturgattung. Lange Jahre war er der
Nürnberger Meistersinger.
Weitreichender
wirksam als die traditionellerweise nicht im Druck veröffentlichten
Meisterlieder waren allerdings Hans Sachsens Spruchgedichte
(ca. 1900 an der Zahl), eine Gattung, die für den Sprechvortrag oder das laute
Lesen gedacht war. Diese Texte waren in Hunderten von Einzeldrucken verbreitet,
oft mit Holzschnitten illustriert.[9] Sachsens Quellen für
die Spruchgedichte wie für die Meisterlieder auch waren - neben dem eigenen
Erleben auf seiner Gesellen-Reise und im Getriebe der „Großstadt“ Nürnberg
[9a] - literarische Texte aus Antike, Mittelalter und
Humanismus, die sich der fleißige Leser Sachs unermüdlich erarbeitete, bei
lateinischen Quellen oft aus jüngst entstandenen deutschen Übersetzungen
anderer.[9b]
Schlagartig
im weiten Umkreis bekannt wurde gleich eines seiner ersten Spruchgedichte, das
von der Wittenbergisch Nachtigall (1523).
In dieser Tier-Allegorie verkörperte
die Nachtigall den Wittenberger Augustinermönch Martin Luther; die anderen
Tierfiguren waren auf die Luthergegner gemünzt. Mit diesem kleinen Werk schlug
sich Sachs - nach dreijähriger, sorgfältiger Abwägung und noch bevor die
Stadt Nürnberg sich dafür entschied - auf die Seite der Reformation, und mit
diesem bald sprichwörtlich werdenden Spitznamen Luthers wurde auch dessen
Erfinder als der dichtende Schuster berühmt. So schrieb z. B. der Kurfürst
Friedrich der Weise in einem Brief an Herzog Johann im Januar 1524 über die Wittenbergisch
Nachtigall: „Ich schike E[euer] L[iebden] ein buchlein, sal ein schuster
gemacht haben; had es ein schuster gemacht, so ist es freilich nit ain
ungeschickter schuster.“[10]
Ebenso
weit verbreitet wie Sachsens Spruchgedichte waren auch seine wenigen, aber
wirksamen reformatorischen Prosa-Dialoge,
fiktive Streitgespräche zwischen zwei oder mehreren, meist bestimmte Typen
repräsentierenden Gesprächspartnern.[11] Dabei geht es
Sachs um Fragen des rechten Glaubens und Handelns aus dem Blickwinkel der Lehren
Luthers. Die wichtigsten Dialoge sind im Jahr 1524 erschienen und oft
nachgedruckt worden, illustriert mit Bildholzschnitten von Nürnberger Künstlern
wie Sebald Beham, Georg Pencz oder Erhard Schön. In einigen
dieser Reformationsdialoge tritt Sachs selbst als diskutierende
Schuster-Figur auf und läßt dabei an seiner persönlichen Sympathie für die
Lutherische Sache keinen Zweifel. Es sind dies Texte gegen das von den
Zeitgenossen zunehmend als bedrückend empfundene Gebaren der römischen Kirche,
wie z. B. die „Disputation zwischen einem Chorherren und [einem]
Schuhmacher“ (der sich als
bibelfester erweist als der Kirchenmann), aber auch Texte gegen Fehlverhalten
und Uneinigkeit in den eigenen Reihen, wie das „Gespräch eines Evangelischen
Christen mit einem [anderen] Lutherischen.“[12]
Auch
nach der Einführung der Reformation in Nürnberg
(1525) äußert sich Sachs weiter zu deren Belangen
[13], so etwa - im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg -
zum (nach lutherischem Verständnis gottgewollten, also zu recht eingeforderten)
untertänigen Verhalten des Bürgers zur Obrigkeit.
Recht
aufschlußreich für die künstlerischen Folgen der Reformation ist das
Spruchgedicht „Clagred der Neun Muse[n] oder Künstgöttin[nen] über Teutschland“
von 1534, in dem Sachs die damals deutlich nachlassende Vergabe von
kirchlichen Aufträgen an die Künstler und Handwerker heftig bejammert, für
die die Reformation mitursächlich war - die sprichwörtliche, von Erasmus von
Rotterdam so genannte „lutherana tragoedia artis“.[13a]
Hans
Sachs war schließlich auch ein produktiver Bühnenautor, der - neben seinen
weniger bedeutenden und heute auch kaum mehr bekannten Tragödien
und Komödien
[14] - vor allem 85 Fastnachtspiele schuf, die
zu seinen beliebtesten Werken gehören. Das sind volkstümliche Bühnenstücke,
deren Tradition im städtischen und altkirchlichen Brauchtum gegründet und
deren Thematik und Szenerie daher dem einheimischen Publikum vertraut waren.[15]
Diese kurzen Spiele, die in den Wirtshäusern ohne großen szenischen Aufwand
aufgeführt wurden, waren meist heiterer, burlesker und grobianischer Art. Noch
heute immer wieder gern - auch von Laien - aufgeführte Spiele sind z. B.
Der Krämerskorb, Der fahrende Schüler im Paradeis, Das Kälberbrüten, Das
Narrenschneiden, Der schwangere Bauer und viele ähnliche mehr. Sie verheißen
jeweils schon im Titel die ihnen eigene schwankhaft-heitere Spitzbübischkeit,
durch die sie wohl für alle Zeiten unvergänglich sind.[16]
Nicht
immer war, was Sachs zu sagen hatte, den Stadtvätern Nürnbergs genehm. Als sie
längst schon mit Luther sympathisierte, wollte die Stadt sich nach außen hin
noch bedeckt halten, weil sie Rücksichten auf den katholischen Kaiser zu nehmen
hatte, dem sie als Reichsstadt verpflichtet war, und sie beäugte daher des
Schusters Wirken mit Sorge. Doch selbst noch, nachdem Nürnberg offiziell zum
Luthertum übergetreten war, kam es wegen einer gegen den Papst gerichteten
Publikation zu einem handfesten Konflikt zwischen dem Rat und dem Dichter, der
diesem ein Veröffentlichungsverbot einbrachte: Sachs mußte seinen Aktionskreis
für einige Jahre wieder auf das Meisterlied beschränken.[17]
Auch später noch gab es immer wieder Fälle von versuchter oder vollzogener
Zensur Sachsscher Texte (oder deren Aufführung); wiederholt beklagte er sich,
daß man in Nürnberg die Wahrheit nicht offen sagen könne.[18]
Aufs
ganze gesehen jedoch arrangierte sich Hans Sachs einigermaßen mit der Stadt. Er
wurde trotz seines ruhigen, seßhaften Lebens immer berühmter und auch
zunehmend wohlhabend, letzteres auch aufgrund seines „Erstberufes“ als
Schuster, in dem er lange tätig und tüchtig blieb. Den zeitgenössischen
Erfolg als Dichter verdankte er sicher auch seinem ausgeprägten Selbstbewußtsein,
das sich unter anderem auch darin zeigte, daß er seine Werke meist mit seinem
in den Schlußvers eingebauten Namen enden ließ - ein Verfahren, das von einer
unleugbaren Begabung des Autors für „Public Relations“ zeugt.[19]
1560
starb nach 41-jähriger Ehe seine erste Frau; ihre sieben gemeinsamen Kinder
waren bis dahin auch schon alle gestorben. Ein Jahr später heiratete Sachs -
mit 67 Jahren - eine um 40 Jahre jüngere Witwe, eine Barbara Endres, geb.
Harscher, die sechs Kinder aus ihrer ersten Ehe mitbrachte. Auf beide Frauen
verfaßte Hans Sachs menschlich sehr anrührende Lobgedichte.[20]
Daneben erschienen in diesen späten Jahren die ersten Sammelausgaben seiner
Werke im Druck und festigten seinen Ruhm.[21] Ein wichtiges
Spätwerk Sachsens sind seine Verse für die Illustrationen Jost Ammans zum berühmten
Ständebuch
von 1568, einer Darstellung von
Berufsbildern der Zeit, die bis heute nachgedruckt wird als sozialgeschichtliche
Quelle ersten Ranges.[21a]
Im
für damalige Begriffe wahrlich biblischen Alter von 81 Jahren starb Hans Sachs
- inzwischen längst von vielen „Zipperlein“ des Alters geplagt und durch
nachlassende Schaffenskraft entmutigt - am 19. Januar 1576 in Nürnberg, wo er
ein heute nicht mehr feststellbares Grab auf dem Johannisfriedhof fand.
2. Zur Rezeption von Werk und Gestalt
Zu
seinen Lebzeiten und noch einige Zeit danach genoß Hans Sachs größte Wertschätzung;
doch sollte ihm später ein Wechselbad von positiven und negativen Urteilen
beschieden sein. Die einen hielten ihn für den größten deutschen Dichter
seines Jahrhunderts, die anderen für einen banalen, tolpatschigen Verseschmied.
Zwischen den Extremen von „Heldenverehrung und Hohngesang“ hielt man alle
nur denkbare Kritik für ihn parat; die Haltungen ihm gegenüber reichten schon
im 17. Jahrhundert von „tiefster Adoration ... bis zur Ablehnung und offenen
Verhöhnung“.[22]
Viele
seiner Zeitgenossen schätzen Sachs sehr, darunter Größen wie Luther und
Melanchthon. Mancher hieß ihn einen „deutschen Vergil“ (und stellte ihn neben
den „deutschen Cicero“ Luther), anderen galt er als „Euripides
Germanicus“. Durch die mehrfachen Auflagen der Folio-Ausgabe, in breitester
Rezeption aber durch die Aufführungen seiner Dramen und Fastnachtspiele lebte
er fort.
Doch in der Barockzeit, in der die deutschen Literaturtheoretiker dem heimischen Sprachschaffen durch enge Anlehnung an die Formen der Antike aufzuhelfen versuchten, wird das Urteil immer nüchterner. Der Poeta doctus, der „gelehrte Dichter“, ist jetzt das Leitbild der Kritik, das rasch zu einer entschiedenen Ablehnung des Sachsschen Werkes führt; seine Erzeugnisse werden zunehmend als indiskutabel eingestuft. Allein der bloße Umfang seiner Textproduktion - über 6000 Werke - galt nun schon als verdächtig. Schließlich schuf man für die typischen Hans-Sachs-Verse - nämlich für die paarzeilig gereimten deutschen Vierheber - den abfälligen Ausdruck Knittelverse.[23] Anfangs des 18. Jahrhunderts werden die Urteile der Nachwelt dann gänzlich grob: Man nennt ihn das „Oberhaupt im Reich der Dummheit“ und seine Verse ein elendes „Reimengeklapper“, das nur seiner Inhalte wegen Interesse beanspruche.[24]
Auf
dem Tiefpunkt dieser Entwicklung entstand schließlich auch das „auf seine Art
unsterbliche“ Sprüchlein, dessen Autor zum Leidwesen der Forschung bis heute
unbekannt geblieben ist: das schon zitierte vom „...
Schuh-/macher und Poet dazu“. Darin wird der Dichter „durch den Schuster
entwertet“ und seine Reimform böse karikiert. Beides „auf so knappe[m] Raum
derart vollkommen geleistet zu haben, war schon ein Geniestreich des unbekannten
Verfassers.“[25]
Sachsens
Ehrenrettung erfolgte endlich doch im Jubiläumsjahr 1776 - bezeichnenderweise
hatten die vorausgegangenen Gedenkjahre keinerlei Aufmerksamkeit gefunden.[26]
Nun aber, zu seinem 200. Todestag, war es die Bewegung des Sturm
und Drang, die den Hans Sachs mit großem Enthusiasmus wiederentdeckte: Chr.
M. Wieland widmete eine Sondernummer der von ihm herausgegebenen Zeitschrift
„Teutscher Merkur“ dem Andenken
des Hans Sachs, und J. W. Goethe verfaßte dazu seine berühmte Hommage, nämlich
ein Gedicht mit dem Titel „Erklärung eines [fiktiven] alten Holzschnittes,
vorstellend Hans Sachsens poetische Sendung“.[27] Der spätere
Dichterfürst stilisierte darin Sachs zum braven und biederen, aber tüchtigen
und kunstsinnigen Handwerksmann, der mit naivem Gemüt die bürgerliche Moral im
Gemeinwesen seiner Heimatstadt hochhält.
Während
das Sachssche Werk immer noch kaum Beachtung fand - die Urteile darüber schwanken
auch im 19. Jahrhundert [28]
-,
begeisterte diese Goethesche Sachs-Figur
die Romantiker nicht weniger als jenes Alt-Nürnberg, dessen Verklärung Wilhelm
Heinrich Wackenroder in Gang setzte.[29] Diese beiden
„Mythen“, Goethes Sachs und Wackenroders Nürnberg, verquickten sich in der
Folge zu jenem unauflöslichen Mix aus Figur und Stadt, der sich wie
ideologischer Mehltau über das Werk des Dichters legte und so dessen eigentliche
Rezeption verstellte.
In
diesem romantisch-biedermeierlichen Geist entstanden im 19. Jahrhundert unzählige
literarische und eine ganze Reihe von bühnenmusikalischen Produkten30,
von denen Richard Wagners Oper Die
Meistersinger von Nürnberg
(Uraufführung 1868) schließlich den Höhepunkt bilden sollte. Wagners Werk
verstärkte und besiegelte endgültig und auf lange Zeit das ideale
Hans-Sachs-Bild im öffentlichen Bewußtsein. Seine Sachs-Gestalt, der
„deutsche Art und Kunst“ über alles geht, taugte in der Vorstellungswelt
des Bürgertums trefflich zur Projektion nationalistisch-deutschtümelnder
Weltanschauung, und so konnte die Wagner-Oper der Vereinnahmung durch den
Wilhelminismus so wenig entgehen wie später derjenigen durch das Dritte Reich.
Im
Jubeljahr 1894, zum 400. Geburtstag des Dichter-Schusters, ertrank dieser
solcherart zum Idol stilisierte Sachs geradezu in einem deutschnationalen
Begeisterungstaumel.[30] War dieser Sachs mit wachsendem
Wagnerianismus immer populärer geworden und schließlich dann in der Nazizeit
bei den regelmäßig zu Beginn der Reichsparteitage stattfindenden Aufführungen
der Wagner-Oper zum Paradebeispiel des guten Deutschen avanciert
[32], so hat ihm in schroffem Kontrast dazu
nach dem Krieg der Inszenierungsstil von „Neubayreuth“ (Wieland Wagners Meistersinger-Inszenierung
von 1956) „sein“ idyllisches Nürnberg schnöde weggenommen. Damit war
erstmals die oben angesprochene romantische Verklärung der Gestalt des Hans
Sachs gebrochen.[33]
War
die Sachs-Rezeption im 400. Todesjahr 1976 durch die Betonung des inzwischen
sachlich erforschten Zeitkolorits und dessen spielerische Vermittlung an das
Publikum gekennzeichnet, bemüht sich die jüngste Sachs-Forschung um ernsthafte
Detailarbeit am Werk selbst. Doch die öffentliche Resonanz auf deren
Arbeitsergebnisse blieb bescheiden. Im Jubeljahr 1994, zu seinem 500.
Geburtstag, schien Hans Sachs auf einmal nicht mehr zur Identifikationsfigur zu
taugen für wen und was auch immer. Der Kulturverwaltung der Stadt Nürnberg war
er jetzt kaum mehr ein Achselzucken wert.[34]
Wenn
uns heute ein Großteil des Werks des Hans Sachs nicht leicht verdaulich
erscheint, so liegt das - abgesehen von der altertümlich anmutenden Sprache -
an seiner unentwegten didaktischen Wut, an seinem nie versteckten erhobenen
Zeigefinger. Doch sind die Urteile der Literaturwissenschaft über Sachsens
Lebensleistung heute weit konzilianter als in der Vergangenheit und insofern
gerechter, als sie ihn an den Möglichkeiten seiner Zeit messen, denen gegenüber
man ihm hohen Rang zugesteht. Seine sprachschöpferische Kraft bei der
Mitformung der gerade entstehenden neuhochdeutschen Sprache ist bedeutend; er
ist darin Luther beinah ebenbürtig. Außerdem gilt der Schuster-Poet heute - so
ungeklärt die Frage seiner Lateinkenntnisse auch geblieben ist - unbestritten
als einer der effektivsten Vermittler des antiken Bildungsgutes in die deutsche
Sprachwelt hinein. Er steht darin den Humanisten seiner Zeit, die dasselbe für
das lateinkundige Publikum geleistet haben, nicht nach.[35]
Schließlich
wird durch die zunehmend genauere Erforschung der sozial- und kulturgeschichtlichen
Zusammenhänge, in die Hans Sachs zeitlebens hineingestellt war, die Rolle immer
deutlicher, die er als einer der wirksamsten publizistischen Verfechter der
Reformation und zugleich als bedeutender früher Kritiker am gerade aufkommenden
Kapitalismus gespielt hat.
Sachsens
Zeitkritik scheint heute aktueller denn je und läßt sich mit folgenden modern
formulierten Worten umreißen [36]: Kennzeichnend für Sachs
waren danach stets seine
"Wachsamkeit
gegenüber politischen Institutionen und gegenüber der Gefahr des Machtmißbrauchs;
das Bewußtsein für die Mißstände gegenwärtiger Gesellschaft; die gemeinsame
Sorge um das Bonum commune [= das Gemeinwohl], wobei die Sicherung des
Friedens so aktuell ist wie je zuvor; schließlich die Zivilcourage, die für
eine Fortführung von Kritik und Aufklärung auch bei drohender Unterdrückung
durch die Staatsautorität nötig ist."
Zum
Nachleben eines berühmten Autors, schon gar seiner „Gestalt“, gehört auch
die Tradition seines Bildnisses. Vor der Erfindung der Fotografie sind die Porträtwiedergaben
der bildenden Künstler keineswegs immer vor dem lebenden Modell selbst, sondern
oft vor den gezeichneten, gemalten oder gedruckten Bildnissen anderer Hand
entstanden, wofür die Geschichte der Sachs-Porträts ein gutes Beispiel abgibt.
Für die Tradierung selbst sorgt die Druckgrafik, zunächst der Holzschnitt,
später der Kupferstich (Abb. 2).[37]
Sachs-Bildnisse
aus seiner ersten Lebenshälfte fehlen, will man nicht „versteckte“ Porträts
in szenischen Darstellungen annehmen, die einige derjenigen Sachs-Texte
illustrieren, in denen der Autor selbst als mit-agierende Figur auftritt. Alle
diese frühen Sachs-Gestalten - wenn sie überhaupt als solche identifiziert
werden dürfen - könnten schon wegen des kleinen Formates der Köpfe nur sehr
eingeschränkt Bildnistreue zeigen. Beispiele dafür sind die Illustrationen zur
Disputation zwischen einem Chorherren und
Schumacher (1524) (Abb. 2 a)[38],
zu den Freuden der Welt, worin Sachs mit der Personifikation des Lasters
disputiert (1534) (Abb. 2 b), und -
schon etwa zeitgleich mit unserem Ostendorfer-Schnitt - zu dem Text
Epitaphium oder Klagred ob der Leich D. Martini Luthers (1546),
worin Sachs die Dame Theologia über Luthers Tod hinwegzutrösten versucht
(Abb. 2c).[39]
Die
meisten der überlieferten „richtigen“, d. h. selbständigen Druckporträts
des Hans Sachs zeigen ihn als den Greis seiner letzten Jahre, als lebensklugen,
uralten Mann - und umso verehrungswürdiger wird er den Zeitgenossen erschienen,
umso stärker daher auch die Nachfrage nach diesen Bildnissen gewesen sein. Von
diesen zu Lebzeiten entstandenen Altersporträts (Abb.
2 e - 2 g) hebt sich nur das Ostendorfer-Blatt ab, das den „erst“
Einundfünfzigjährigen zeigt; es ist in der Reihe der selbständigen Porträts
das früheste (1545) (Abb. 1 und 2 d).
Daneben
wurde Hans Sachs nur noch wenigemale nach dem Leben porträtiert: Zum einen 1563
in einem Holzschnitt Hans Weigels d. Ä. (Abb.
2 e), den Balthasar Jenichen 1568 in Kupfer nachstach (Abb.
2 f) und Georg Lang 1584 ohne eigene Anschauung davon übernahm. Zum anderen
aber in den beiden Bildnis-Gemälden
der Jahre 1574/76 von der Hand des Nürnberger Malers Andreas Herneisen
(1538-1610), die Hans Sachs kurz vor seinem Tode zeigen. Es sind dies ein
lebensnahes Brustbild des ehrwürdigen, über 80jährigen Dichters vor
neutralem, dunklem Hintergrund [40]
sowie ein kleines Bild
mit dem Titel Andreas Herneisen malt Hans
Sachs. Dieses zweite Gemälde
zeigt in einer Art Genre-Szene die Entstehung des ersten: Sachs beim
Modellsitzen, daneben der Maler im Selbstporträt - und zwischen beiden auf der
Staffelei das in Arbeit befindliche erste Porträt.[41]
Jost
Amman wiederholt den Herneisenschen Sachs-Kopf 1576 - noch vor Sachsens Tod - im
Kupferstich (Abb. 2 g) und verwendet ihn nach dem Ableben des Dargestellten
(gegensinnig) im Holzschnitt für die Ausstattung der Folioausgaben (Abb.
2 h). Mit dieser Übernahme des Herneisenschen Altersporträts in die
Druckgraphik schuf Amman den Prototyp einer langen Reihe von postumen
Nachbildungen (Abb. 2 i - 2 q zeigen die wichtigsten Beispiele). Einige davon
schaffen ihrerseits wieder einen eigenen Typus und eröffnen damit eine je
eigene Traditionsreihe.[42] Mit zunehmendem Abstand zur Lebenszeit
des Dichters schwindet jedoch die Bildnistreue der Darstellungen immer mehr im
Vergleich zu den zeitgenössischen Bildnissen. (Gerade bei prominenten Porträtierten
ist die Gefahr der Verfälschung des Bildnisses im Verlauf der Tradition
gegeben, da sich aufgrund der großen Nachfrage auch schwächere Talente darauf
werfen. Zudem trägt auch die ständige Spiegelung der Züge - durch die
wiederholt vorgenommene direkte manuelle Kopie nach dem Abzug einer älteren
direkt auf eine neue Druckplatte - zu wachsenden Abweichungen bei).[42a]
Schließlich kommt es beim Sachs-Bildnis zur Absurdität einer fast ins
Mephistophelische gewendeten Darstellung Abb.
2 n) [43]
oder im noch relativ erträglicheren Fall zu einer Idealisierung wie in
der Rauchschen Marmorbüste von 1813 (Abb.
2 q).[44] Auch
die weiter folgende, hier nicht mehr darzustellende „Karriere“ des
Sachs-Bildnisses in Historismus und Salonmalerei
[45] veranlaßt uns, doch lieber bei den zeitgenössischen
Porträts des Schuster-Dichters zu bleiben, und von diesen stellen wir jetzt das
von Michael Ostendorfer stammende in den Vordergrund.
4. Das Sachs-Bildnis Ostendorfers
Der
Sachs-Holzschnitt Ostendorfers (Abb. 1)
[46] zeigt das Brustbild des stattlichen Mannes in ganz
leichter seitlicher Körperwendung nach links, zu seiner rechten Seite hin. Die
Arme liegen bequem, wie an einem Tisch, auf einer Art Brüstung. Diese verläuft
quer vor dem Dargestellten, begrenzt das Bild nach unten und hebt zugleich wie
ein Denkmalssockel die Figur empor; ein Eindruck, der von der dort angebrachten
Inschrift ebenso verstärkt wird wie von der Freistellung des Körperumrisses
vor dem völlig leeren Hintergrund. Die Textzeile unterhalb der Arme - die ins
Holz der Bildtafel geschnitten ist, während die Texte oben und unten aus
Metallettern gesetzt sind
[47] - gibt das Datum des Schnittes und Name und
Alter des Dargestellten an: 1545
: HANS . SACHSn . ALTER . 51 . JAR
.
Das
Blatt zeigt den berühmten Meistersinger in der Blüte seiner Jahre. Zwar galt
man damals mit 51 Jahren schon als alt, doch angesichts der noch vor ihm
liegenden Lebensspanne trifft diese Kennzeichnung hier nicht so recht zu.
Ostendorfers Porträt kann Authentizität hinsichtlich des damaligen Aussehens
des Hans Sachs beanspruchen, dürfen wir doch annehmen, daß der Maler den Dichter
zu einer Modellsitzung getroffen und „nach dem Leben“ gezeichnet hat. Wenn
er ihm tatsächlich gegenübergesessen ist, dann vielleicht sogar in Nürnberg
selbst. Ob Ostendorfer je in der Reichstadt war, entzieht sich zwar unserer
Kenntnis, [48] doch kann
ja gerade sein Sachs-Bildnis
auch als ein Indiz dafür gelten. Ein gefragter Porträtist war Ostendorfer
jedenfalls zu jener Zeit; die Vielzahl der Fürstenporträts, die er damals für
den Holzschnitt gezeichnet hat, sowie eine Reihe gemalter Bildnisse
hochgestellter Persönlichkeiten sprechen für seine offenbar begehrten Fähigkeiten
im „Abconterfetten“.[49]
Wenn
wir das Ostendorfersche Porträt mit den genannten Altersbildnissen des Sachs
vergleichen (vgl. Abb. 1 bzw. 2 d mit 2
e - h), so hebt es sich deutlich von diesen ab, die nämlich alle -
vielleicht aufgrund von später entstandener Kurzsichtigkeit - eine
charakteristisch hochgezogene Augenbraue und eine Vermehrung der Stirnfalten
zeigen; von beidem ist Ostendorfers Porträt fast noch frei.
Auf
diesem Holzschnitt hält Hans Sachs ein gerolltes Blatt mit handschriftlichen
Notizen in der linken Hand, ein Hinweis auf seine schriftstellerische bzw.
vortragende Tätigkeit - wenn man so will, sein „Attribut“ als
Meistersinger. Die andere Hand umgreift ein auf der Brüstung liegendes
gefranstes Tuch.[50]
Sachs
ist reich gewandet - niemand würde in diesem „Outfit“ einen Schuhmacher
erkennen, schon gar keinen, der „bei seinem Leisten“ geblieben ist! (Auch
solches Schusterwerkzeug ist ja nicht zu sehen). Man würde hier eher „einen
Patrizier, Adeligen oder gar Fürsten“ vermuten; doch die Schriftzeile an der
Brüstung läßt an der Identität des Meisters keinen Zweifel. Sachs trägt
eine dicke, mantelartige Jacke mit geschlitzten Ärmeln, eine Art „Schaube“
(was aber eigentlich ein ärmelloses Kleidungsstück ist) mit abgesteppten
weichen Falten unter einem glatten Schulterstück. Der Kragen und die Kanten der
damals sehr modischen Ärmelschlitze sind mit feinem Pelz verbrämt; der Stoff
des darunter getragenen Wamses, das an den Ärmeln sichtbar wird, ist ein
vornehm mit Stickereien verzierter Damast oder Brokat. Im offenen Kragen erkennt
man ein sorgfältig gefälteltes und geschnürtes Hemd.[51]
Für
unsere Augen sieht die gewählte Kopfbedeckung aus wie ein Doktorhut, ein
Eindruck, der sich verstärkt, denkt man sich den Hut schwarz gefärbt (vgl. Abb. 3, IV ).[52] Doch handelt es sich hier um
ein sogenanntes Barett, ein damals gängiges Attribut der Herrenbekleidung nicht
nur der Gelehrten, aber natürlich auch nicht der ganz einfachen Leute. Es sitzt
über einer haubenartig den Kopf umschließenden Mütze.[53]
Das
Gesicht des Schuhmachers und Meistersingers ist von Selbstbewußtsein
gekennzeichnet. Die gepflegte Haar- und Barttracht unterstreicht nicht weniger
als die Kleidung die stolz-vornehme Selbsteinschätzung des Dargestellten. Der
kleinlockige Bart ist sauber gestutzt, der Schnurrbart hat leicht gewellte Spitzen;
das Haupthaar ist, soweit es an den Seiten unter der Kappe hervorlugt, stilvoll
wie zu „Korkenzieherlocken“ gedreht. Der feinlippige Mund zeigt - kaum
sichtbar unter dem Bart - ein leises, verschmitztes Lächeln, das man wohl als
Andeutung des Humors des Dichters verstehen soll. Sein Blick gilt nicht dem
Betrachter (bzw. dem zeichnenden Künstler), er ist vielmehr schräg aus dem
Bild heraus sinnend in die Ferne gerichtet.[54]
Kann
man den Farben des kolorierten Gothaer Exemplares trauen [54a],
so hat Hans Sachs blaugraue Augen und eine helle Gesichtsfarbe mit rosigen
Wangen gehabt sowie rotblondes Kopf- und Barthaar, das zur Entstehungszeit des
Porträts erst in der mittleren Zone unterhalb des Mundes weiß geworden ist.
Das doch nicht mehr so ganz jugendliche Alter erweist sich an den
harten Mund-Nasen-Falten, an den Falten unter den Tränensäcken, an der prägnant
scharf gezogenen einzelnen Stirnfalte - dort scheint sich das kritische Bewußtsein
wiederzuspiegeln, mit dem Sachs Mitmenschen und Zeitläufte betrachtet hat. Wir
sehen in dem Einundfünzigjährigen einen „Weltweisen“ vor uns, der sich um
die äußere und innere Wohlfahrt seiner Zeitgenossen gesorgt und wohl auch
verdient gemacht hat, der sich dabei vom sittenstrengen Mahner zum wohlwollenden
Spötter über den unverbesserlichen Unverstand der Leute gewandelt hat. Man hat
„das Gütige, Sonnig-Schalkhafte“ im Gesichtsausdruck dieses Porträts
betont, es „das stolzeste aller Hans Sachs-Bildnisse“ genannt und dem ganzen
Blatt „repräsentativen Charakter“ bescheinigt.[55]
5.
Zur Verbreitung und Nachfolge des Ostendorfer-Blattes
Es
verwundert eigentlich sehr, daß Hans Sachs nicht schon in früheren Jahren an
der Verbreitung eines Porträts von sich interessiert war, ein solches nicht
schon eher in Auftrag gegeben und dann - etwa mit eigenen Texten versehen - in
die Welt geschickt hat. An Selbstbewußtsein und an Sendungsbewußtsein hätte
es ihm dafür wohl nicht gefehlt.[56]
Doch
das Ostendorfersche Porträt ist Sachsens erstes “offizielles”, ob es nun
auf seine Veranlassung entstanden ist oder nicht. Die Nachfrage danach dürfte
jedenfalls groß gewesen sein, war doch der Dichter zu dieser Zeit schon berühmt.
Die wenigen erhaltenen Druckexemplare [57]
lassen keine Rückschlüsse auf die Höhe der zeitgenössischen
Auflage zu; doch daß man viele Drucke loswerden konnte, geht schon aus der
Tatsache hervor, daß der Holzschnitt in (mindestens zwei) verschiedenen
Stöcken existiert hat! Das heißt, ein anderer zeitgenössischer Formschneider
hat nach der Vorlage eines Abzuges vom ersten Stock in (fast) exakter Kopie
einen zweiten Druckstock angefertigt; von beiden ist dann in der Folge gedruckt
worden. Ein solch aufwendiges Verfahren läßt nur den Schluß auf großen
wirtschaftlichen Erfolg des Ursprungsblattes zu, an dem offenbar auch andere
Drucker-Verleger teilhaben wollten.
Die
beiden Stock-Fassungen des Ostendorfer-Blattes unterscheiden sich durch kaum
merkliche, aber unbestreitbare Abweichungen im Liniengefüge voneinander - am
deutlichsten in den vorhandenen bzw. fehlenden Tüpfelchen in der Haube
(„Netzhaube“ vs. glatte Haube, vgl. Abb.
3 I a mit 3 IIa), aber auch erkennbar an anderen Details (vgl. Abb.
3 I b mit 3 II b und
3 I c mit 3 II c.
[58]
Auch die
um geringe Beträge abweichenden Maßangaben zu den einzelnen Druckexemplaren
ließen sich - neben dem mitursächlichen „Arbeiten“ des Papiers - möglicherweise
auch aus unterschiedlichen Stöcken erklären.[59]
Gerade
die oben erwähnte, sich beim manuellen Kopieren von Vorlagen oft einschleichende
Verfälschung des Urbildes [60]
läßt uns hier staunen, wie genau die Kopie geschnitten ist: Die Abweichungen sind minimal und kaum
auffällig, insbesondere aber erfolgte keinerlei
Veränderung der Gesichtszüge.
Wie sehr dagegen ein Nachschnitt bei geringerem künstlerischem Vermögen von der Vorlage differieren kann, zeigt ein gegensinniger (und stark verkleinerter) Holzstich nach dem Ostendorferschen Porträt vom Ende des 19. Jahrhunderts. Man sieht darin gelängte Proportionen und deutliche Abweichungen im Detail. Es handelt sich um den seltenen Fall einer in später Zeit neugezeichneten Paraphrase der Ostendorfer-Darstellung.[61]
Ganz
von diesen Varianten zwischen verschiedenen
Stöcken zu unterscheiden sind die Druckvarianten, die sich ergeben, wenn derselbe Stock später erneut abgedruckt wird und dabei die Spuren
seiner inzwischen erfolgten Alterung auf dem Abzug erkennen läßt. Solche späten
Wiederabdrucke sind von Ostendorfers Schnitt anfangs des 19. Jahrunderts (vor
allem von Derschau, aber vielleicht nicht nur von ihm) gemacht worden; diese Abzüge
vom originalen Stock zeigen Schwundrisse im Holz, die die zeitgenössischen
Abdrucke noch nicht aufweisen (vgl. Abb. 3 II a mit 3
III).[62]
Schließlich
zählen zu den existierenden Varianten auch die sogenannten „altkolorierten“
Exemplare, also Drucke, die schon zeitgenössisch mit Wasserfarben bemalt worden
sind (Abb. 3 IV zeigt eines von zwei
erhaltenen Beispielen).[63]
Trotz
der aus all dem ableitbaren regen zeitgenössischen Nachfrage nach Ostendorfers
Sachs-Porträt muß es als durchaus schicksalhaft erscheinen, daß diese
Darstellung ohne eine ähnliche Nachfolge geblieben ist, wie sie aus der Abb.
2 für die Greisenporträts von der Hand anderer Künstler erkennbar ist.
Das liegt nun ganz gewiß nicht daran, daß das Ostendorfer-Bild nicht lebensnah
gewesen wäre, sondern vielmehr daran, daß es das nicht geblieben ist, einfach durch den Umstand, daß Hans Sachs
danach noch um so vieles älter geworden ist.[64] Es ist ja
ganz natürlich, daß sich die postume Bildnis-Produktion aus den späten
Greisenbildern gespeist hat und dadurch die Ostendorfer-Fassung aus dem grafischen
Nachleben verdrängt wurde.
Heute,
im Zeitalter fotografischer und nun sogar scannender Reproduktion, wählt man
natürlich nicht mehr den Weg von Nachschnitten, wenn es gilt, das Ostendorfersche
Sachs-Porträt zu vervielfältigen. Letzte Gelegenheit, in größerer Auflage
(und wohl dennoch ziemlich unbeachtet) verbreitet zu werden, hatte es in Form
einer deutschen Jubiläums-Briefmarke aus Anlaß des 500. Geburtstages des
Schusterpoeten im Jahre 1994.[65]
6. Ostendorfers „Hand“ im Sachs-Bildnis
Die
oben bemerkte Präzision, mit der der Stock des zeitgenössischen Nachschnittes
gearbeitet ist, gibt uns das Recht, in der Darstellung aller nahezu identischen
Drucke eine treffliche Wiedergabe der ursprünglichen Ostendorferschen Zeichnung
zu sehen. Man kann also an jeden der von einem der alten Stöcke stammenden Abzüge
die Frage knüpfen: Was
ist denn nun „Ostendorferisch“ an diesem Werk?
Wenn
wir die Darstellung daraufhin genauer betrachten, so bemerken wir eine leichte
Steifheit der Figur, eine gewisse Leere im Ausdruck des Gesichtes: so recht
„lebendig“ kommt uns Hans Sachs hier nicht vor. Die etwas gekünstelte
Stellung der Arme, die doch recht verkrampft wirkende Haltung der Hände, die
zudem entschieden zu klein geraten sind, fallen auf und zeigen deutliche
Unsicherheiten in der Bewältigung der figürlichen Darstellung.[66]
Die
Würde des Porträtierten, die der Reichtum der Kleidung so deutlich unterstreicht,
wird ein wenig gemildert durch die Nonchalance, mit der Sachs seine Arme hält.
Sein linker (der vom Betrachter aus gesehen rechte) Arm, steckt „wie es sich
gehört“ ganz im Jackenärmel - durch dessen pelzbesetzten Schlitz das
Ornament des Wamsärmels zu sehen ist -, die Hand kommt ordentlich beim Ärmelbund
der Jacke heraus. Den rechten Arm aber hat Sachs sozusagen „falsch“ beim Ärmelschlitz
herausgeführt; der untere Teil des Mantelärmels ist vom Unterarm verdeckt; die
Hand ragt aus dem Bund des Wamsärmels. Diese Anordnung soll wohl nicht nur möglichst
viel vom geschmückten Wams zeigen, sondern auch die Strenge der Gestalt
auflockern. Doch ist der Effekt, falls er denn beabsichtigt war, eher mißraten:
Es sieht alles ein wenig unbeholfen aus - so, als hätte Hans Sachs sich beim
Hineinschlüpfen vertan.
Der
Oberkörper des Dargestellten erscheint mit seinen zu breiten Schultern unproportioniert
wuchtig, was natürlich in der Natur des Kleidungsstückes liegt: Genau diesen
„mächtigen“ Eindruck sollte eine solche Schaube ja machen (auch heute
polstern manche zuweilen die Schultern modisch aus). Aber unabhängig davon:
Versucht man, die Lage der Arme unter den Jackenärmeln und den gebauschten
Schultern auszumachen, so kommen einem die Proportionen zwischen den Teilen der
Gliedmaßen und die erahnbare Lage der Gelenke doch ziemlich unnatürlich vor.
Die
Details der Kleidung (Hemdfalten, Ärmelornamentik, Bünde) sind zu flüchtig
und ungenau wiedergegeben, als daß der Blick des Betrachters
lange darauf verweilte. Die Angabe von Schattenzonen durch
Formschraffuren erfolgt recht schematisch, der Übergang zum Licht ist dabei
stets etwas hart.[67] Nicht zuletzt die irritierende Art und
Weise, wie die Buchstaben der Inschrift aufrechtstehend in eine Zone gesetzt
sind (die helle Oberfläche der Brüstung), in der sie eigentlich liegend und
also perspektivisch verkürzt und verzerrt erscheinen müßten, unterstreicht
den leichten Anklang von Unsicherheit im Formalen, den das ganze Bild nicht
verleugnen kann.
Wir können nicht umhin, dies alles für „typisch Ostendorfer“, die Zuschreibung an ihn daher für glaubhaft zu halten.[68] Folgendes Urteil über dieses Sachs-Porträt unterstreicht dessen Schwächen wie Stärken gleichermaßen, indem es das Bildnis auch „entwicklungsgeschichtlich“ an einem gestalterischen Wendepunkt des Ostendorferschen Gesamtwerkes ansiedelt: „Hier kommt Ostendorfers Gabe feiner Charakterisierung noch einmal zu voller Geltung, wenn auch sich hier schon ein leiser Zug zum Trockenen ankündigt.“[69] Ob man diese „Trockenheit“ auch positiv werten könnte als Indiz für die Authentizität des Bildnisses, sei dahingestellt. Leider gibt es keine Äußerungen von Hans Sachs selbst zur Porträtähnlichkeit der Ostendorferschen Darstellung, wie sie zu Sachs-Bildnissen anderer Hand durchaus von ihm vorliegen.[70]
7. Die Texte zu Ostendorfers Sachs-Porträt
Abschließend
wollen wir uns nun noch den Texten [71] zuwenden, die dem
Ostendorferschen Holzschnitt spätestens im Jahr nach seiner Entstehung
beigegeben worden sind. Es sind dies ein lateinischer Text von Leonhard Kettner
(oben) [71a] und
ein deutscher Text aus der Feder eines Johann Betz (unten)
[72]; beide in gebundener Sprache, doch von sehr
verschiedener Textgestalt.
Zwischen
der deutschsprachigen, aus einer gebrochenen Schrifttype gesetzten Überschrift
und dem Bildfeld befindet sich auf dem Blatt - verteilt auf
drei Spalten - der folgende, in Antiquaschrift gehaltene lateinische Text. Er
besteht aus acht Verspaaren, sogenannten Distichen (ein Distichon besteht aus
jeweils einem Hexameter und einem darauffolgenden Pentameter)[73]:
LEONARDUS
KETNERUS LECTORI.
Qualia
vel Naso romana voce, Maroque
Carmina disparibus composuere modis,
Talia composuit maiori laude Ioannes
Carmina, germana voce legenda tamen.
Iam pia de
summo conscribens carmina Christo,
Iam rerumque vices, tempora, fata, canens.
Plurima,
quae cecinit, monumenta leguntur ubique
Sed quia nota vigent, nil recitasse iuvat.
Foelix, quae talem peperit sibi foemina natum,
Cuius ob ingenium patria floret humus.
Qui patriam multis virtutibus ornat & auget,
Quem colit aeterno nomine posteritas.
Quod
si Musarum didicisset sacra, vel Artes,
Iam tua laus maior, Noricaberga, foret.
Tanti igitur vultus hos noveris esse Poetae,
Quos tibi ceu vivos picta Tabella refert.
M. D. XLVI.
Diese
Zeilen lauten, frei ins Deutsche gebracht, etwa wie folgt
[74]:
LEONARD KETTNER
AN DEN LESER
Solche
Gedichte, wie sie in lateinischer Sprache Ovid und Vergil [75]
- in
freilich anderer Versart - geschrieben haben,
solche Gedichte hat auch, noch höher gepriesen, Hans [Sachs]
verfaßt;
doch muß man sie [leider]
in deutscher Sprache lesen. [76]
Er schrieb
teils fromme Gedichte über
den höchsten Herrn Christus,
teils besang er die Wechselfälle und Schicksale der Zeit.
Das meiste, was
er an Denkwürdigem geschrieben hat, wird überall gelesen,
und da jeder es kennt, brauche
ich keine Titel zu zitieren. [77]
Glücklich die
Frau, die einen solchen Sohn geboren hat,
durch dessen Begabung unsere Vaterstadt blüht
und durch dessen viele Tugenden sie geziert und bereichert wird!
Sein Name wird der Nachwelt unvergessen bleiben!
Wenn
er freilich die Welt der Wissenschaften [78]
kennengelernt hätte,
wäre dein Ruhm, Nürnberg [79],
noch größer!
Wisse, daß die Züge, die dir diese Abbildung lebendig vor Augen stellt,
die Züge dieses hervorragenden Dichters sind. [80]
1 5 4 6.
Neben
dem durchaus vollmundigen Lob für den Dichter Hans Sachs wird hier zuletzt doch
ein Vorbehalt des humanistisch gebildeten Autors Kettner deutlich: das Bedauern,
daß Sachs (angeblich!) gerade dieser
Bildung entbehrt habe. Kettner will ihm den höchsten Lorbeer versagen - weil er
sich nicht in lateinischen Versen
ausdrückte. Der Ruhm, der der Stadt Nürnberg Ihres Dichtersprosses wegen
durchaus gebührt, hätte Kettners Meinung nach noch größer sein können - es
hat sozusagen, sportlich gesprochen, bloß zur Silbermedaille gereicht.[81]
Auffällig
ist, daß des Hans Sachsen eigentliches Geschäft, die Schuhmacherei, mit keinem
Wort erwähnt wird. Kettner hebt ihn dadurch - bewußt oder unbewußt - heraus
aus dem Urgrund seines bürgerlich-handwerklichen Herkommens; zugleich bindet er
ihn aber durch seine Kennzeichnung als berühmten Sohn Nürnbergs an seine
unmittelbare Umgebung zurück, er „vernürnbergert“ ihn.
Der
letzte Zweizeiler mag ein Indiz für die Porträttreue des Holzschnittes sein,
auch wenn uns das Bildnis nicht so übermäßig
„lebendig“ vorkommt, wie es die Schlußzeilen des Textes verbürgen wollen.
Doch offenbar gab der Druck die Physiognomie des Dichters so treffend wieder, daß
Kettner die Ähnlichkeit durchaus rühmen konnte.
Wenden
wir uns zuletzt dem deutschsprachigen
Text zu. Unterhalb des Bildrahmens lesen wir, ebenfalls auf drei Spalten
verteilt, in gebrochener Schrift die paarweise gereimten, vierhebigen Verse [82]:
Johann Betz.
Zaigt
Hanns Sachsn von Nüremberg an /
Schumachern, der
vil schöne gedicht /
Und weise Sprüch hat zugericht /
Nach ahrt der Edlen Poetrey /
In
Deudscher sprach, lustig und frey /
Auch durch
Maister gesang mit fleiß /
Auff gaystlich und weltliche weiß /
Wölches dann güte mittel sind /
Dardurch gmainr Man und seine kind /
Mögn Schrifft und Weißheit auch erfarn /
Tugentlich darnach zugebarn /
Got zu ehr / und
dem nechsten znutz /
Damit man Tugnt erhallt im schutz.
Wölchs alles ist gnugsam
bewisst / [84]
Darumb bleybt
sein Lob auffs gwissist.
Im 1 5 4 6 . Jar /
Gedruckt durch
Hanns Guldenmundt.
Dieser deutsche Text lobt
den Hans Sachs zwar ebenso wie der lateinische, stellt jedoch keineswegs eine
parallele Übersetzung der lateinischen Verse dar. Vielmehr nimmt er eine ganz
eigenständige Würdigung vor. Zwar wird Sachs zunächst als Meister der
deutschen „Poetrey“ herausgestellt, doch gilt das weitere Lob hier nicht
seinem Werbewert als Berühmtheit der Stadt, sondern seiner moralischen
Wirksamkeit innerhalb seines Gemeinwesens, seinem ständigen Aufruf zu
tugendhaftem Lebenswandel und seiner Vorbildrolle für jedermann. Die sittliche
Qualität der Texte Sachsens, von denen die Gattungsformen Spruchgedicht und
Meisterlied eigens angesprochen sind, wird also für mindestens ebenso wichtig
erachtet wie seine formale Kunstfertigkeit als Dichter. Johann Betz findet an
dem Schuster-Poeten, dessen eigentliches Metier er im Gegensatz zum ersten Autor
nicht unterschlägt, durchaus andere Qualitäten rühmenswert als der
humanistisch orientierte Kettner. Die beiden Texte wenden sich offenbar an ein
ganz verschiedenes Publikum.
Immerhin
war Hans Sachs kein miesepetriger Moralapostel, sondern ein bei aller
Ernsthaftigkeit seiner Mission augenzwinkender, wohlwollender Ratgeber seiner
Mitmenschen. Und so bescheinigt Betz ihm auch seine Lustigkeit [85]
und seinen Freimut - Eigenschaften, die Kettner gar nicht registriert, obwohl
sie doch offenbar Sachsens Persönlichkeit geprägt und bei seinen Zeitgenossen
so beliebt gemacht haben.
Zeichnen
kann man solche Charaktereigenschaften freilich nur schwer - da mögen die
Lippen noch so schmunzeln! Und so gilt für den Sachs-Holzschnitt des Michael
Ostendorfer das gleiche, was unter dem Sachs-Kupferstich des Jost Amman
geschrieben steht und was wohl auch unsere beiden Vers-Autoren gebilligt hätten
- und der Schuster-Dichter selber allemal:
Der Beitrag erscheint als VI. Folge der Aufsatzreihe OSTENDORFERIANA, die der Verfasser dem Namenspatron des Ostendorfer-Gymnasiums Neumarkt i. d. OPf. gewidmet hat.
Kursiv gesetzte Autorennamen oder Titelstichworte
verweisen auf das dem Anmerkungsteil folgende Literaturverzeichnis. Unbenannte
Ziffern bedeuten Seitenzahlen (wenn nicht Jahreszahlen), die Bezeichnung Nr.
steht vor Katalog- und/oder Abbildungsnummern. Eckige Klammern kennzeichnen in
Zitaten Ergänzungen oder Auslassungen durch mich, in Literaturangaben die Namen
der Autoren von Aufsätzen.
[1] Ein kurz gefasster Lebenslauf
Ostendorfers (um
1490-1559) findet sich vorstehend in diesem Band. Eingehendere Auskunft über
den Künstler gibt die Monographie von Wynen.
[2] Brosamer
ist beispielsweise in der Unterschrift zum Frontispiz bei Goetze
genannt. Das Porträt wurde erstmals 1821 diesem Künstler zugerechnet, eine
Zuweisung, die aber angeblich schon J. Sandrart getroffen haben soll. Seit 1921
ist es (durch Röttinger) Michael Ostendorfer zugeschrieben. Das Sachs-Bildnis
ist „eine höchst bezeichnende Arbeit Michael Ostendorfers [...], an der
Brosamer entgegen der Tradition keinerlei Anteil hat“ (Röttinger (a), 33). Diese
letztere Zuweisung ist bis heute nahezu unbestritten geblieben (lediglich Hollstein,
187, will neuerdings die Cranach-Werkstatt in Anspruch nehmen); zuweilen findet
man heute noch die falsche Zuschreibung an Brosamer, z. B. bei Hahn,
Bd. 1, Frontispiz Seite V.
[3] Zum Beispiel bei der Abbildung des Porträts in Merian Nürnberg, 84.
[4] Schuhleisten
(Singular: der Leisten), d. h. Holzmodelle individuell verschiedener Fußformen bzw. -größen,
sind ein wichtiges Handwerkszeug des Schusters. Vgl.
AK Sachs/Meistersinger, Nr. 66. Maas/Kästner
(25) verweisen auf eine verwandte Ermahnung eines Schusters in einer
Apelles-Anekdote, die u. a. Büchmann in den „Geflügelten Worten“ überliefert.
[5] Breit
erzählende Lebensbilder bieten nach dem Kenntnisstand der Entstehungszeit Goetze
und Genée. -
Die Werkausgaben sind dokumentiert bei Könneker,
IX-X; auch Sachs/Seufert, 150. Derzeit
lieferbare Auswahlbände stellen vor allem die beiden Bände Hahn dar, aber auch Sachs/Braun,
Sachs/Geiger, Sachs/Seufert und auch Amman.
Einzeltexte sind daneben verstreut in der Sekundärliteratur abgedruckt. - Ausführliche Bibliographien bieten Könneker,
IX-XVIII, Bernstein, 146-156; Berger,
189-193; AK Sachs/Meistersinger, 23 f.
[Brunner]; Jens (mehrfach); und vor
allem mit Anspruch auf Vollständigkeit Holzberg
und ders., „Nachtrag zur Hans-Sachs-Bibliographie“, in: MVGN 64/1977, 333-343 (Holzberg will die Bibliographie weiter
fortsetzen in den „Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte“). – Von der
im Verzeichnis angegebenen Sekundärliteratur sind gut greifbar das reich mit
Illustrationen versehene Taschenbuch von Bernstein
und das literatur-, sozial- und rezeptionsgeschichtlich reichhaltige, dabei sehr
gut lesbare Buch von Berger. Darauf,
auf die Arbeiten Horst Brunners in Buhl, Nürnberg
heute 22/1976, Brunner/Hirschmann/Schnelbögl,
Pfeiffer/Wendehorst und
MVGN 81/1994, sowie auf die in jüngerer Zeit erschienenen Ausstellungskataloge (AK
Meistersinger/Wagner, AK Handwerker, AK Sachs/Meistersinger) stützt sich
vorwiegend die nachfolgende Darstellung zu Leben und Werk des Hans Sachs. -
Außer Stuhlfauth und einem Abschnitt in AK Handwerker (Nrn. 46-57) gibt es keine explizit den Sachs-Porträts
gewidmete Arbeit.
[6] Zu den Nürnberger Lateinschulen vgl. AK Martin Luther, Nrn. 88-91. Zum Meistersang s. a. AK Sachs/Meistersinger durchgehend, v. a. 124 und Nrn. 92-119; sowie Bernstein 72-86; Berger, 83-104; Jens, 555-558 [H. G. O.]; Könneker, 30-37; Pfeiffer, 203-206. - Die nachfolgende Gattungsgliederung der Sachs-Werke nach Brunner in AK Sachs/Meistersinger , 13-24 (ähnlich auch in ders., „Hans Sachs - Sein Bild nach 500 Jahren“, in: MVGN 81/1994, 13-30 oder in anderen seiner Aufsätze); etwas differenzierter gliedert z. B. Könneker in Gattungen auf (16 f., 25-69); vgl. a. AK Handwerker, 12 ff. [Behr].
[7] Die
Meisterlieder wurden meist solo, zumindest stets einstimmig und immer ohne
Instrumentalbegleitung gesungen. Ihre Form ist gekennzeichnet durch den Gebrauch
der deutschen Sprache und die strikte Ausrichtung an einem jeweils bestimmten
„Ton“, worunter die Einheit von Liedmelodie und Strophenform (Metrum und
Reimschema) verstanden wurde. Die strikte „beckmesserische“ Einhaltung
dieser Normen hat Wagner in seiner entsprechenden Bühnenfigur parodiert,
wenngleich weder der Sache noch der Person nach in historisch korrekter
Darstellung (vgl. Wagner, I,3; II,6; III,3; III,5).
[8] Die
wenigsten sind im Druck erschienen, da es ein Prinzip des meistersanglichen
Wettbewerbs war, nur unveröffentlichtes Material vorzutragen. Sie wurden daher
nur in Handschriftenbänden gesammelt; Hans Sachs hinterließ 16 solcher Sammelbände
eigener Lieder.
[9] Beispiele
für diese Sachsschen „Bilderbogen“ (vgl. Röttinger
(b)) bieten -
meist mit Abbildungen - AK
Martin Luther, Nrn. 294, 300, 304, 305, 306, 307, 312, 318, 320, 405, 503
sowie Farbabb. (82) zu Nr. 318; AK
Sachs/Meistersinger Nrn. 8, 21, 44, 47-51; AK Handwerker, Nrn. 4, 15, 25-30, 32-40; AK Kunst der Reformationszeit, Nrn. C 57, C 60.1; Zschelletzschky,
76 (Nr. 25), 100 f. (Nr. 38), 230 ff. (Nr. 186), 250 ff. (Nr. 200), 284 ff. (Nr.
215), 354 f. (Nr. 312). Erörtert auch bei Jens,
557 [H. G. O.]
[9a] Siehe Bernstein, 16-22; Berger, 17-32; Könneker, 3-10; Füssel (b), 83-107 [Feuerstein/ Schwarz].
[9b] Bernstein, 84, nennt folgende, Sachs zugängliche Quellen: Boccaccio, Plinius,
Plutarch, Gesta Romanorum, Äsop-Fabeln, Ovid, Schwanksammlungen, Historien,
Chroniken (vgl. AK Handwerker, 38-55
[Milde], Füssel (b), 109-149
[Wingen-Trennhaus]; vgl. auch Anm. 35).
[10] Deutsche
Reichsakten, Jüngere Reihe, Bd. 4, 637, zit. nach Vogler,
80, Anm. 114. Zur „Wittenbergisch Nachtigall“ s. a. Bernstein, 32-40; Berger,
39-43; Jens, 556 f. [H. G. O.]; Sachs/
Seufert, 171 ff.. Siehe auch AK
Sachs/Meistersinger Nr. 46; AK
Handwerker, Nr. 8, AK Welt, XXIII-XXXI [Mende] und Nr. 6; Vogler, 77-82. Titelbilder zur „Nachtigall“ zeigen AK
Welt, Nr. 6; AK Handwerker, 33 (ähnlich, aber ein anderer Schnitt ebd., Nr. 8);
Berger, Abb. 9; Bernstein, Rücktitel; Buhl,
271 [Brunner]; Zschelletzschky, 17
(Nr. 6). Die Anfangsverse der „Wittenbergisch Nachtigall“ („WAcht auff, es
nahent gen dem tag [...]“ ) hat Wagner fast wörtlich in seine Oper (III,5) übernommen
(Vgl. z. B.
Sachs/Seuffert, 16, mit Wagner, 95).
[11] Diese
im Grunde schon dem Sprechstück sich nähernde Textform hat ihre Vorbilder
ebenfalls in Antike und Humanismus; Sachs hat sich als einer der ersten im
Deutschen daran versucht.
[12] Texte
z. B. bei Sachs/Seuffert, 41-71, 119-141.
Zu den Reformationsdialogen im einzelnen und zur Haltung des Hans Sachs zur
Reformation allgemein siehe auch: Berger,
47-56; Bernstein 41-48; Sachs/Seufert,
159-189, speziell 174-187 [Nachwort Seufert]; AK Welt XXIX f.
[Mende] und Nrn. 10, 12, 13, 14, 15
(Abb.); AK Sachs/Meistersinger, Nrn.
47, 48, 49; AK
Handwerker, 33-37 [Otten] und Nrn. 9-14 (Abb. bei 23, 35 f.); Könneker,
28-30; Zschelletzschky, 255-257; Vogler,
74-82.
[13] Siehe
auch Zschelletzschky, 250-254; Vogler,
258; AK Welt, XXV [Mende].
[13a] Berger, 76; siehe auch Zschelletzschky, 100-106; AK Kunst der Reformationszeit, Nr. C 57.
[14] Ihre
Einordnung nach der einen oder anderen Kategorie erfolgte einfach danach, ob das
Spiel gut oder schlecht für die Hauptfiguren ausging (heute erscheinen uns auch
die Tragödien oft komisch). Es sind Stücke mit biblischen, sagenhaften oder
historischen Stoffen (z. B. „Lucretia“, „Judith“, „Tristan und
Isolde“, „Griselda“), die Sachs durch deutsche Prosa-Übersetzungen
antiker oder humanistischer Autoren kennenlernte und nach seiner Manier in
deutsche Verse brachte. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden diese Stücke durchaus
viel gespielt; später war ihnen weniger Respekt seitens der Nachwelt
beschieden. Es fehlt ihnen Einsicht in das Wesen des Dramas und jede innere
Form; eine „innere dramatische Tektonik [...] wie [...] bei [...] Shakespeare
[...] suchen wir bei ihm vergebens“ (Berger,
125); doch ist diese Kritik nur aus der späteren Sicht der Klassik
gerechtfertigt (Berger, 123), deren
dramentheoretische Kriterien
(z. B. der drei Einheiten) Sachs natürlich noch nicht kannte (übrigens auch
nicht deren Stammvater, Aristoteles -
vgl. Füssel (b), 29 [Holzberg]). Zu den Tragödien und Komödien s. a. Bernstein,
109-118; Berger,121-132; Jens, 553-554 [M. Br.]; Könneker,
49-60; sowie Brunner/Hirschmann/Schnelbögl, 105-136 [Holzberg]
und Hans-Sachs-Gymnasium, 73-76
[ders.] mit positiverer Bewertung.
[15] Auch
bei diesen Stücken verarbeitete der Dichter viele Vorbilder der älteren
Literatur, tat dies aber stets in ganz eigenständiger Weise. Für etwa ein
Drittel seiner Fastnachtspiele läßt sich keine Vorlage nachweisen. Zu den
Fastnachtspielen s. a. Bernstein,
87-108 ; Berger, 111-119, Sachs/Geiger; Jens, 552
[KLL], 553 [M. Br.], 555 [C. Cob.] und 558 f. [C. St.]; Könneker, 60-69, Pfeiffer,
201 f. [Brunner/Straßner]; spezieller auch Brunner/Hirschmann/Schnelbögl,
182-218 [Moser] und 219-244 [Könneker].
[16] Ein Beispiel für die mitunter noch heute erfolgende Bearbeitung solcher Stücke gibt der Band Sachs/Kusz, der im lutherischen Sinn „dem Volk aufs Maul schaut“ und dadurch den Realismus der Texte - wenn auch nur für den begrenzten Raum eines bestimmten Dialektgebiets - zu steigern vermag.
[17] Er
hatte 1527 unter dem Einfluß des reformatorischen Predigers Andreas Osiander
ein sehr scharfes antirömisches Pamphlet verfaßt, die „Wunderliche
Weissagung von dem Papsttum“, in der dessen alsbaldiger Untergang prophezeit
wurde (siehe AK Sachs/Meistersinger,
Nrn. 50, 131 f. und 137 sowie Seite 12 f. [Brunner];
AK Handwerker, Nrn. 16-22; Zschelletzschky,
79 f., 286 u. 297; Bernstein, 50-54; Berger,
65-69). Sachs hatte deutsche Verse zu den beigegebenen Holzschnitten verfaßt,
worin er seine antipäpstliche Haltung überdeutlich ausgesprochen hatte, wohl
von Osiander zu einem schärferen Ton angestiftet, als er ihm von Haus aus eigen
war. Der Rat schritt vorsorglich ein und beschlagnahmte den Text; in diesem
Zusammenhang erging die berühmte Aufforderung des Magistrats an Hans Sachs, das
Dichten zu lassen („Darum eines Rats ernster Befehl, daß er seines Handwerks
und Schuhmachens warte“, zit. nach Berger,
68). Erst 1530 versuchte Sachs (mit Erfolg), durch seinen anbiedernden
„Lobspruch der Stadt Nürnberg“ die Stadtväter wieder günstig für sich zu
stimmen (AK Sachs/Meistersinger, 65
(Abb.) und Nr. 8; Bernstein, 17 f. u.
20; Berger, 72-74; AK Welt, Nr. 228 ; AK
Handwerker, Nr. 30; Nürnberg heute 22/1976,
19 [Lehnert]).
[18] Noch
am Tag nach Sachsens Tod konfiszierte der Stadtrat seine scharfe Satire auf die
(natürlich eine Höllenfahrt meinende) „Himmelfahrt des Markgrafen Albrecht
Alkibiades von Brandenburg“ (der 1552 im „2. Markgräfler Krieg“
Nürnberg belagert und das Umland schwer verwüstet hatte). Der Rat wollte
damit deren aus „außenpolitischen“ Gründen unerwünschte Publikation noch
fast zwanzig Jahre nach des Markgrafen Tod verhindern (vgl. Bernstein, 66-71; Berger,
79-82; AK Sachs/Meistersinger, Nr. 137; Nürnberg heute 22/1976,
19 [Lehnert]). Zum Zensurgebaren der Stadt Nürnberg gegenüber Sachs siehe
Horst Brunner: „Hans Sachs -
Über die Schwierigkeiten literarischen Schaffens in der Reichsstadt Nürnberg“,
in: Brunner/ Hirschmann/Schnelbögl, 1-13 (hier 10); Winfried Theiß:
„Der Bürger und die Politik“, in: dies., 76-104 (hier 87 ff.).
[19] Berger, 159. Vgl. AK Handwerker, 15
[Behr]. „Die häufigste, nebenbei bemerkt, jahrhundertealte Schlußform“
boten Verse wie „Das [= dass] solcher glaub in uns erwachs, Das wünscht uns
allen Hans Sachs“ (Röttinger (b),
5). Diese Formel verwendete man auch inflationär bei den Festreden des
Jubeljahres 1894 (Geschichte für Alle,
19).
[20] Auf
die erste den „Wunderbaren Traum von seiner lieben abgeschieden Gemahel
Kunigund Sächsin“, auf die zweite ein fast liebeslyrisch beseeltes „Künstlich
[= Kunstvolles] Frauenlob“. Sachs
ergeht sich im letzteren in der Beschreibung der körperlichen Vorzüge seines
jungen Weibes und hat zu tun, wenigstens die Hälfte des Gedichts ihren Tugenden
zu widmen. (Die vollständigen Texte bei
Berger, 160 u. 170-178). Sachs mußte
übrigens wieder heiraten, wollte er seinen Schusterbetrieb mit Lehrlingen und
Gesellen weiterführen (Stuhlfauth,
43, Anm. 31).
[21] „Was
war dem Sachs, da die Folio [-Ausgabe] im Erscheinen begriffen war, Büchlein
und Flugblatt? Sie haben ihn beliebt und populär gemacht, die Ehrfurcht seiner
Kreise hat ihm aber doch erst die Folio eingetragen [...] Es ruht ein Schimmer
von Olympiertum auf dem weißen Scheitel des greisen Poeten, dessen Ruhm weder
ein gutes Flugblatt zu erhöhen, noch ein schwaches zu schmälern vermochte.“
(Röttinger (b) 34). Sammelausgaben erschienen 1558, 1560, 1561,
1578, 1579. Sie umfassen nur ca. ein Drittel des Gesamtwerkes. Sachs bilanzierte
außerdem sein Werk in der „Summa all meiner Gedicht“
von 1566. Vgl. Berger 160 u. 179-185 (dort der volle Text, ebenso bei Sachs/Seufert,
3-11); AK Handwerker, Nr. 44; der Text
im Faksimile ebd. 71-76.
[21a] Siehe AK Sachs/Meistersinger, Nr. 64; Bernstein, 129 f. (Abb. = 130); Berger,
133-138. Eine Faksimile-Ausgabe des „Ständebuches“ bietet Amman; Abbildungsbeispiele daraus auch bei AK Welt, Nr. 319; AK
Handwerker, Nr. 31; Berger, Umschlagrückseite;
Füssel (b), 111 [Wingen-Trennhaus]. Für die ebenfalls 1568 erschienene lateinische
Ausgabe des „Ständebuches“ hat übrigens ein gebürtiger Neumarkter, der
Poet Hartmann Schopper, die Verse verfaßt (siehe
Amman, 149 f. [Nachwort Lemmer]); nach ihm ist die Schopperstraße in
Neumarkt i. d. OPf. benannt. Zur Person dieses humanistischen Dichters siehe
auch den Aufsatz von Dr. Herbert Rädle „Schopperus poeta doctus ...“ an
anderer Stelle in diesem Band.
[22] Horst
Brunner, „Hans Sachs zwischen Heldenverehrung und Hohngesang“, in Nürnberg heute 22/1976, 35-46, das Zitat Seite 40. Der Aufsatz faßt
die literarische Rezeption bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gut zusammen. Zur
Rezeptionsgeschichte siehe auch Bernstein,
9-15; Berger, 7f., 97 und 139-158; Könneker,
70-75; verschiedene Aufsätze in AK
Sachs/Meistersinger; AK
Meistersinger/Wagner, 79-85 [Götz], sowie
AK Handwerker, Nrn. 58-93.
[23] Die
Bezeichnung Knittelvers ist erst im
17. Jahrhundert als Spottbezeichnung entstanden, doch galt diese Versform
im 16. Jahrhundert als kunstvoll. Hans Sachs verwendete den Knittel –
mit Ausnahme der Meisterlieder, die ja ihre eigene strenge Form hatten – in
allen seinen Werken. „Das starre, metrische Schema [des Knittels] führt häufig
zu Wortverstümmelungen und Verzerrungen; der Reimzwang macht Füllsel
notwendig; die Kürze der Zeilen verleiht den Gedichten etwas Holpriges und
Kurzatmiges“ (Bernstein, 107). –
Zum Knittelvers und zu seiner Ehrenrettung auch ausführlich und gut
nachvollziehbar Berger, 105-110.
„Die Mängel des Knittels und der Meistersang-Metrik sind evident, und über
sie zu lästern, ist leicht, indes es geht hier auch um ein gerechtes
historisches Verstehen [...] Anders als die quantitierende Metrik der
klassischen Antike oder die silbenzählende der romanischen Sprachen läßt die
akzentuierende Metrik des Deutschen Verletzungen der natürlichen Wortbetonung
nur noch in bescheidenem Maße zu [...] metrisch vorgesehene Hebungen im Vers müssen
betonte, Verssenkungen hingegen unbetonte Silben sein. Weder Meistersang noch
strenger Knittel werden dieser Bedingung gerecht.“ (Berger,
105). -
Zur Metrik des Hans Sachs siehe auch Könneker,
21-24.
[24] So
Wernicke und Bodmer, vgl. Bernstein, 9
f.; Könneker, 71.
[25] Alle
Anführungen Nürnberg heute, 22/1976,
41 [Brunner] (wie Anm. 22). Der Vers, im 18. Jahrhundert aufgekommen (erstmals
belegt 1769; zit. bei Goetze, 19) ist
der Form nach eine Parodie auf den Sachsschen Knittelvers (obwohl Sachs einen
solchen „gebrochenen“ Reim fast nie verwendete! -
vgl. Könneker, 23). Dieser „Zweizeiler [faßte] bündig und witzig die
gängigen Vorurteile der Aufklärung zusammen.“ (Bernstein, 10); er ist jedoch „längst zu einer Ehrenbezeichnung
geworden“ (Berger, 158).
[26] Vorausgegangen
waren Versuche einer Aufwertung des Werkes durch Arbeiten über den Meistersang
bzw. über Sachs von Wagenseil und Ranisch (vgl. Goetze,
65 Anm. 1 und 67 Anm. 16; AK
Handwerker, Nrn. 74 u. 76.).
[27] Darin
ehrt er Sachs schon durch die Wahl des (wenn auch freien) Knittelverses, den
Goethe im Übrigen auch auf weiten Strecken im „Faust“ benützt und dadurch
„geadelt“ hat. Auch im berühmten Eingangsmonolog Fausts („Habe nun
ach...“) hat Goethe sich durchaus von Sachs anregen lassen; vgl. damit
Sachsens „Die Werck Gottes sind alle gut“ (zit. bei
Will (b), 3 f.). -
Im selben Jahr 1776, in dem der „Teutsche Merkur“ sich Sachs widmete, ließ
der Prinzipal Goethe an seinem Weimarer Theater sogar ein Fastnachtspiel von
Sachs („Das Narrenschneiden“) aufführen. Auch in „Dichtung und
Wahrheit“ (Bd. IV, 18) erweist
Goethe Sachs seine Reverenz; Lessing und Herder schätzten ihn ebenso wie
Thieck, Novalis, Schelling, Achim von Arnim, Schlegel und Kleist (Bernstein,
10 und 143-145; Berger, 56 und
143-147; Nürnberg heute 22/1976,
43 [Brunner]).
[28] Berger,
147. Wenn Hegel sagt, Sachs habe alles, was er an fremden Einflüssen
aufgenommen habe, „vernürnbergert“ (zit. bei Bernstein, 16; Berger, 29
u. 32), so ist das ein durchaus zweischneidiges Urteil. „Es ist [...] müßig
zu fragen, ob Hans Sachs auch außerhalb Nürnbergs ein solches Œuvre
geschrieben hätte [...]“ (AK Handwerker
, 15 [Behr]). -
Heinrich Heine hat sich recht abfällig über Sachs geäußert. Beispiele
verschiedener Stellungnahmen der Nachlebenden bei AK
Handwerker, Nrn. 67-85 u. 87.
[29] Vgl.
Grote, durchgehend.
[30] Vgl. Nürnberg heute 22/1976, 44 f. [Brunner]; AK Meistersinger/Wagner, 69-78 [Rita Fischer].
[31] Bernstein, 12-14; Berger, 148-155. Zu
den Nürnberger Sachs-Würdigungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
(Dürerfeier 1826, Sängerfest 1861, Einweihung des Sachsdenkmals 1874,
Gedenkfeiern zum 300. Todestag 1876 und zum 400. Geburtstag 1894, Turnfest 1902,
Sängerbundesfest 1912 usw.) siehe Geschichte
für Alle, 52-57; Alexander Schmidt, „Zur Geschichte der Hans-Sachs-Feiern in Nürnberg“, in MVGN
80/1993, 203-240; ders., „Wo Sachs gesungen hat. Zum Hans-Sachs-Gedenken in Nürnberg
im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Füssel
(b), 157-187 (hier 166-187);
Nürnberg heute 22/1976, 35-46
[Brunner]; AK Meisteringer/ Wagner, 125-138.
Zum Jubeljahr 1894 siehe auch Berger,
151-153.
[32] Vgl.
Geschichte für Alle, 56 und 27-30. „Die antifranzösische und
antisemitische Geisteshaltung Wagners war die Basis für eine Vereinnahmung der
Oper durch völkisch-nationalistische Gruppierungen [...] Im ,Dritten Reich‘
schließlich wurde das Werk zur ,wahren deutschen Volksoper‘ hochstilisiert“
(Geschichte für Alle, 29. Siehe auch
Schmidt in MVGN 80/1993 (wie Anm. 31),
233-235; ders. in Füssel (b) (wie
Anm. 31), 180-184. Zum „Deutschen“ bei Wagner allgemein siehe auch Wagner,
108-111 [Nachwort Karthaus]; eine Charakterisierung der Wagner-Oper gibt es auch
in Merian Nürnberg, 83-86
[Wapnewski]).
[33] AK Meistersinger/Wagner, 325 ff. (zitierte Pressestimmen). Der
„abstrakte“ Bühnenstil des Komponisten-Enkels Wieland Wagner hat, wenn er
auch bei allen Musikwerken Wagners angewandt wurde, auf das treudeutsche Gemüt
der Wagnerianer doch am empörendsten bei den „Meistersingern“ gewirkt, wo nurmehr eine Bank und ein schwebender kreisrunder Blütenball
(für den Flieder) das idyllische Nürnberg vertreten sollten (vgl. AK
Meistersinger/Wagner, Nr. 185, speziell 185 d. Aber auch nach dieser
Revolution kamen die „romantischen“ Anklänge bei
„Meistersinger“-Bühnenbildern in aller Welt immer wieder vor).
[34] Während
man 1976 in Nürnberg Hans Sachs noch in spielerischer, unkonventioneller Form
gefeiert hatte (vgl. Nürnberg heute, 21/1975,
15-18 und 22/1976, 20-22), gab es
im Vorfeld des 1994er Jubiläums mehrfach kritische Berichte in der
Lokalpresse über das mangelnde Engagement der Stadt. Zu den Nürnberger
„Festlichkeiten“ 1994 siehe auch MVGN 81/1994, 16 [Brunner]; Hans-Sachs-Gymnasium,
58-64 [Spälter]; sowie Schmidt
in MVGN 80/1993, 239 f. und ders.
in Füssel (b), 184-187. Der 500.
Geburtstag Sachsens rief „in Nürnberg und in der wissenschaftlichen Welt
erstaunlich wenig Resonanz hervor.“ (Füssel
(b), 8, [Vorwort des Herausgebers]).
[35] Zum
deutschen sprachlichen Ausdruck des Hans Sachs siehe Könneker,
19 ff. -
Zu seinen umstrittenen Lateinkenntnissen vgl. z. B. Könneker,
4; Brunner/Hirschmann/Schnelbögl,
119, Anm. 66 [Holzberg]; Angelika Wingen-Trennhaus, „Die Quellen des Hans
Sachs. Bibliotheksgeschichtliche Forschungen zum Nürnberg des 16.
Jahrhunderts“ in: Füssel (b),
109-149 (hier Seite 127 ff.). Die letztgenannte Autorin behandelt die persönliche Bibliothek des Hans Sachs, von der
immerhin 20% aus lateinischen Autoren -
wenn auch in deutscher Fassung -
bestanden (ebd., 112). „Er kannte aber wesentlich mehr Bücher, als in seinem
eigenen Besitz vorhanden waren“ (ebd., 129). Man darf wohl mit der Autorin die
Selbsteinschätzung Sachsens (in seinem „Valete“, 1567) „als einem
ungelehrten Mann, der weder Latein noch Griechisch kann“, für einen
„Bescheidenheitstopos“ halten (ebda., 129; vgl. z. B. den Text auch bei Berger,
185; AK Handwerker, 76 u. Nr. 44). Cysarz
bezweifelt eher Sachsens Schusterleistungen als seine literarischen: „Kann
dieser Gigant der Leistung tagsüber in seiner Werkstatt mit Leisten und Pfriem
hantiert haben, um an den Feierabenden und Feiertagen 34 Folianten zu füllen,
dazu die enorme Belesenheit zu erwerben, die seine Dichtungen voraussetzen?“ (Cysarz,
6). – Zum Verhältnis des Hans Sachs zu den Humanisten siehe z. B. Hans-Sachs-Gymnasium,
64-73 [Holzberg] und Füssel (b), 9-29 [ders.]. Wingen-Trennhaus (in Füssel (b), 132)
vermutet enge Kontakte, während Holzberg
die soziale Distanz zu Leuten wie Pirckheimer betont (Füssel
(b), 10 ff.).
[36] Das
folgende zitiert nach Theiß (wie Anm. 18), 104; zit. auch bei
Feuerstein/Schwarz, „Hans Sachs als Chronist seiner Zeit. Der
Meisterliedjahrgang 1546“, in: Füssel (b), 83-107 (Zitat
107). Feuerstein und Schwarz heben die seither noch gestiegene Bedeutung der
1976 von Theiß festgestellten „bleibenden Verdienste von Hans Sachs“
hervor. Ihr Beitrag behandelt exakt das Jahr (= 1546), in dem der hier
betrachtete Ostendorfer-Schnitt mit den Textbeigaben ediert wurde.
[37] Die
gezeigten Köpfe der Abb. 2 sind
durchwegs Ausschnitte, und zwar unterschiedlichen
Maßstabes: die Köpfe sind hier auf etwa einheitliche Größe gebracht. Ihre
Reihe ist nicht vollständig; es sind nicht alle überlieferten Porträts hier
aufgenommen. Ich belege die Teilabbildungen jeweils mit folgenden Angaben (das
Entstehungsjahr ist bei der Abbildung selbst genannt):
Künstler;
Technik; Abb.-Nr. bei Stuhlfauth (dort stets vollformatig wiedergegeben); verwendete
Abbildungs-Vorlage (regelmäßig nicht Stuhlfauth,
da dort die Bildqualität zu schlecht ist). Gegebenenfalls sind weitere
Abbildungen in der herangezogenen Literatur angegeben („Auch...“).
a:
Barthel Beham; Holzschnitt; nicht bei
Stuhlfauth; AK Handwerker, 35 (zu Nr. 9). Auch AK Welt, Nr. 241; AK
Sachs/Meistersinger, Nr. 47; Bernstein,
42; Berger Abb. 10; Sachs/Seufert,
43; Wedler, 74; Zschelletzschky,
258 (Nr. 205).
b:
Erhard Schön; Holzschnitt; nicht bei Stuhlfauth;
AK Welt, Nr. 144. Auch AK
Sachs/ Meistersinger, Nr. 76.
c:
Virgil Solis; Holzschnitt als Illustration zu Sachsens „Epitaphium oder
klagred ob der leich D. Martini Luthers“; Stuhlfauth
Nr. 2, dazu Text 13 f. (worin Stuhlfauth die
Bestimmung dieser Figur als Sachs für sich reklamiert und sie gerade
durch den Vergleich mit dem Ostendorfer-Blatt gestützt sieht);
AK Welt, Nr. 214. Auch Bernstein,
60; AK Handwerker, Nr. 27 (o. Abb.); Wedler,
148.
d:
Michael Ostendorfer, Holzschnitt, wie Abb.
1 (Nachweise bei den Anmerkungen zum nächsten Abschnitt, Anm. 46 ff.).
e:
Georg Lang (1584) nach Hans Weigel d. Ä. (1563); Holzschnitt;
Stuhlfauth Nr. 5 (nach Stuhlfauth Nr.
4); AK Welt, Nr. 313. Auch AK
Sachs/Meistersinger, Nr. 122; Bernstein,
122; Pfeiffer/Wendehorst, nach 88 [Brunner] und Wedler, 189 (jeweils kolorierte Fassung); Füssel (b), 111 [Wingen-Trennhaus].
f:
Balthasar Jenichen; Kupferstich; Stuhlfauth
Nr. 6; Goetze, 45.
g:
Jost Amman; Kupferstich;
Stuhlfauth Nr. 10.1; AK Sachs/Meistersinger,
Nr. 124. Auch bei Goetze, 58.
h:
Jost Amman; Holzschnitt; als Illustration zum 4. Band der
Folio-Ausgabe (u. ö.); Stuhlfauth Nr.
12-14; AK Welt, Nr. 336. Auch AK
Handwerker, Nr. 42.
i:
Lucas Kilian; Kupferstich; Stuhlfauth
Nr. 21; AK Handwerker, Nr. 47. Auch AK
Sachs/Meistersinger, Nr. 126.
k:
W. C. Heims; Kupferstich; Stuhlfauth Nr. 22; AK
Handwerker, 25 (zu Nr. 49).
l:
Anonym; Kupferstich; Stuhlfauth Nr. 25; AK
Handwerker, Nr. 51.
m:
Johann Heinrich Lips; Kupferstich;
als Illustration zur Sachs-Sondernummer des „Teutschen Merkur“; Stuhlfauth
Nr. 29; AK Handwerker, 129 (zu Nr.
52). Auch AK Handwerker, 79 (zu Nr. 78
= Doppelseite der genannten Zeitschrift).
n:
Johann Jakob Heidegger; Kupferstich; als Illustration für Lavaters
„Physiognomische Fragmente, 4. Versuch“;
Stuhlfauth Nr. 31; AK Handwerker, Nr. 55.
o:
Anonym; Kupferstich; nicht
bei Stuhlfauth; AK
Handwerker, Nr. 56.
p:
Friedrich Fleischmann nach Joh. Leonh. Hoffmann; Radierung: als
Frontispiz zum „Neuen Taschenbuch von Nürnberg“, Nürnberg 1819; Stuhlfauth
Nr. 37; AK Handwerker, 89. (Vgl. auch
Nr. 54, nicht identisch).
q:
Christian Daniel Rauch; Marmorbüste für die Ruhmeshalle in München;
Stuhlfauth Nr. 35.
[38] Vgl. Zschelletzschky, 259, der in der linken Schusterfigur des Barthel-Beham-Holzschnittes ein frühes Porträt des Dichters in seinem dreißigsten Jahr sehen will.
[39] Andere
Darstellungen in derselben Rolle lassen sich jedoch kaum als Porträts
verstehen, wie z. B. die Schusterfigur zum „Omeyß-hauffen“ (1566; zuvor
benutzt für „Der klagent Weltbrüder [...]“, 1553; Stuhlfauth
Nr. 3; AK Welt, Nr. 241; AK
Handwerker, 61 f., 122 r. [alle zu Nr. 41] oder die Reiterfigur bei der
„Clagred der neun Musen“ [um 1553]; Ganzabbildungen AK
Welt, Nr. 150; AK Handwerker,
62.). Die weite Verbreitung ähnlicher Kleidung und Barttracht unter den
Zeitgenossen läßt keine Identifizierung zu; vgl. einige Beispiele in AK Welt, z. B. Nrn. 234, 247, 248, 268 u. ö.; AK Handwerker, 61 u. (= Sachs?). Zum ganzen Problemkreis siehe Stuhlfauth,
42 f., Anm. 26. Auch die Schusterwerkstatt im Ständebuch (vgl. Amman,
50) zeigt wohl kein Hans-Sachs-Porträt (Abbildung auch auf der Rückseite des
Schutzumschlages von Berger und bei AK
Handwerker, 26).
[40] Abb. bei Bernstein, 2; Stuhlfauth Nr. 8; Wedel, 203; Nürnberg heute 22/197
[41] Farbabbildungen
in AK Sachs/Meistersinger, 137, und AK
Handwerker, 17 (und Ausschnitt davon auf dem Außentitel); Schwarz-Weiß-Abbildungen
bei AK Sachs/Meistersinger, Nr. 123; Bernstein, 132 f.; AK
Handwerker, Nr. 1; Stuhlfauth Nr.
9; Brunner/Hirschmann/Schnelbögl, Frontispiz;
Wedel, 202. Die strittige Frage der
zwischen 1574 und 1576 schwankenden Datierung beider Gemälde (und damit der
Priorität des einen vor dem anderen) muß uns hier nicht interessieren. (Vgl.
dazu Jutta Zander-Seidel, „Andreas
Herneisen malt Hans-Sachs: Überlegungen zur Ikonographie von Maler und
Modell“, in: AK Handwerker, 17-24.
Diese Autorin hält auch eine Entstehung des Doppelporträts erst um 1600 für möglich.
Vgl. auch Stuhlfauth, 19). -
Ich gebe keine Abbildungen der Gemälde wieder, da sie für die Tradierung des
Bildnisses nur Ursprung, nicht Medium sind – diese Rolle spielen allein die
Bilddrucke. Auch die anderen gemalten Bildnisse, die Stuhlfauth
belegt (Nr. 7, 15-20; vgl. a. AK Sachs/
Meistersinger, Nr. 59), übergehe ich hier, da sie nicht nach dem Leben,
sondern nach Drucken entstanden sind und selbst keinerlei graphische Nachfolge
hatten.
[42] Die jeweiligen Abhängigkeiten der Beispiele voneinander sind in der Abb. 2 deutlich.
[42a] Vgl. die wechselnde Gegensinnigkeit der Teilabbildungen in der Abb. 2. Ein krasses Beispiel für diese „Verstümmelung“ des Gesichts einer berühmten Person in der jahrhundertelangen Tradition ihres Porträts gibt die Ikonographie der Luther-Bildnisse (vgl. AK Luther im Porträt).
[43] Stuhlfauth (32) zitiert die schwülstige Charakterisierung dieses Bildnisses durch
Johann Caspar Lavater, für dessen „Physiognomische Fragmente“ es geschaffen
worden war: „Die gerad aufgehende Stirn [...] ist zwar nicht sehr poetisch,
dafür aber herzlich deutsch“. Und Stuhlfauth entsetzt sich: „Was ist aus
der so ganz unproblematischen Natur des sonnigen, lauteren Alten geworden!“
(ebd., 33).
[44] Stuhlfauth
wird hier selbst pathetisch und spricht von der Büste als „begeistertem und
begeisterndem Werk“, wobei er sich darauf beruft, daß auch die beiden großen
Bildhauer des Klassizismus „Thorwaldsen und Canova bei ihrem Anblick von
Bewunderung hingerissen“ worden seien (Stuhlfauth,
36). - Das Hans-Sachs-Denkmal des Nürnberger
Bildhauers Johann Konrad Kraußer (1815-1873), zum 380. Todestag 1874 in Nürnberg
aufgestellt (Stuhlfauth Nr. 42), leiht
sich dagegen seine Gesichtszüge aus dem Typus der Abb.
2 p. Abbildungen des Denkmals bei Goetze,
61 (als Zeichnung) und bei AK
Meistersinger/Wagner, 131, Nr. 44-48; besprochen und abgebildet auch bei Geschichte
für Alle, 6-12; Schmidt (wie Anm. 31) in MVGN 80/1993, Abb. 1 und
ders. in Füssel (b), 167-175.
[45] Im
19. Jahrhundert weichen die selbständigen Porträts wieder einer vielfachen
Verwendung der Ganzfigur in szenischen Zusammenhängen. Weitere, hier nicht
wiedergegebene Varianten des 19. Jahrhunderts bei Stuhlfauth,
Nr. 39 ff. und z. B. bei AK
Meistersinger/Wagner, 94 ff und 99 f.,
130, 137-140 (140, Nr. 64 eine Ostendorfer-Variante von 1912). -
Neuere Paraphrasen auf das Ostendorfer-Bildnis, die auf Grund der
modernistischen Freiheiten Porträt-Treue nicht mehr unbedingt gewährleisten
(wollen), zeigt z. B. Bernstein (6) von Alfred Finsterer, (99) von Lovis Corinth und (85)
von dem Nürnberger Maler Michael Mathias Prechtl (*1926). Von letzterem gibt es
auch eine Anzahl weiterer, in Gruppenbilder eingefügter Sachs-Porträts
liebevoll-karikierenden Charakters, meist in Form von Plakaten (Abbildungen z.
B. bei Bernstein, 13, 108; Sachs/Kusz,
Titelbild; AK Handwerker, Nr. 92; AK
Meistersinger/Wagner, Nr. 221a). Nicht zu vergessen ist die Brunnenfigur des
Sachs als Satyr auf dem „Ehekarussell“-Brunnen des Bildhauers Jürgen Weber
beim Weißen Turm in Nürnberg (1984), inspiriert von Sachsens „Bittersüßem
ehlich Leben“ (vgl. Geschichte für Alle, 46-49;
Schmidt (wie Anm. 31) in
MVGN 80/1993, Abb. 16; und ders. in Füssel
(b), 157). -
Eine über Stuhlfauth hinausgehende
systematische Sachs-Ikonographie gibt es leider nicht, zu der man – im
weitesten Sinne – wohl auch Maske und Kostüm (also die „Gestalt“) des
Sachs in den verschiedenen Wagner-Inszenierungen rechnen müßte (vgl. AK
Meistersinger/Wagner, passim).
[46] Die
Abb. 1 gibt den Holzschnitt wieder nach einem Fotoabzug (Inv.-Nr. P
[Sachs, Hans], in Kapsel 878) des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg,
welchem ich für die Erlaubnis zur Wiedergabe herzlich danke. Leider
ist es mir bislang nicht gelungen, das dem Foto zugrunde liegende originale
Druckexemplar ausfindig zu machen. In der Graphischen Sammlung des
Germanischen Nationalmuseums findet sich unter der auf dem Passepartout des genannten
Fotos angegebenen Inventar-Nr. P 23 910
(in Kapsel 1441b) zwar ein Original des Ostendorfer-Sachs-Schnittes, doch
handelt es sich um ein anderes Exemplar mit ganz eng an den Bildlinien
beschnittenem Papier und also ohne die auf dem Foto sichtbaren Texte oben und
unten. Daneben bewahrt die Graphische Sammlung in Nürnberg nur noch ein
weiteres, spät abgedrucktes Original unter der Inv. Nummer H.
4961 (Kapsel 1454) auf, das aber nur den deutschen Text unter dem Bild
wiedergibt (in neuerem Satz und anderer Rechtschreibung).
Hollstein bildet genau diese beiden Exemplare (mit Standortangabe „Nürnberg“)
ab, einen frühen Druck (186), der exakt unserer Abb.
1 und damit dem genannten Foto des
Germanischen Nationalmuseums entspricht, und einen späten Abzug (188), der der
Textgestalt nach mit dem Exemplar H. 4961
identisch ist. Auch die in der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg liegenden Exemplare sind nicht mit der Fotovorlage
identisch (ein beschnittenes Exemplar der Zeit sowie zwei Derschau-Drucke von 1820/21 - freundliche Auskunft vom Leiter der Sammlung,
Herrn Matthias Mende). -
Das Druckexemplar des Britischen Museums ist ein Abdruck des 19. Jahrhunderts
und zeigt die Texte nicht (Für freundliche Auskünfte danke ich Ms. Giulia
Bartrum, Assistant Keeper [German School] am „Department of Prints and
Drawings“ des British Museum in London).
- Eine
mit unserer Abb. 1 in allen
Einzelheiten identische Wiedergabe findet sich in Geisberg/Strauss, 934, Nr. G.977, wo als Standort “Gotha” angegeben
wird. Nach freundlicher Auskunft von Herrn Bernd Schäfer (Direktor des Schloßmuseums
Friedenstein in Gotha, Kustos des Kupferstichkabinetts) befindet sich dort
jedoch nur die in unserer Abb. 3 IV
ausschnittweise wiedergegebene altkolorierte Fassung, nicht das bei Geisberg/
Strauss abgebildete Stück. Vgl. zu den verschiedenen Exemplaren auch die
Ausführungen bei Anm. 57 ff. –
Ältere Literatur zu Ostendorfers Sachs-Schnitt ist z. B. nachgewiesen
bei Wynen, 300, Nr. 67, oder jüngst
bei Hollstein, 187. Neben den schon
genannten Literaturstellen wird der Ostendorfer-Schnitt außerdem behandelt (und
zum Teil auch -
nach verschiedenen Exemplaren, mit oder ohne Text - abgebildet) bei Wynen,
144; Geisberg, 172, Nr. 977; Stuhlfauth,
11 f. und Nr. 1; Buhl, 265 [Brunner]; Pfeiffer/Wendehorst,
86 ff. und Abb. nach Seite 80 [Brunner]; AK
Sachs/Meistersinger, 149 (Abb. nach dem GNM-Foto mit falscher Inv.-Nr.!) u. Nr. 121; AK
Welt, Nr. 213; AK Handwerker, 12
(Abb.) und Nr. 46; sowie bei Geschichte für
Alle, 65; Merian Nürnberg, 84. In
Ausschnitten jeweils auch abgebildet auf den Außentiteln von Bernstein,
Berger, Füssel (b) und Weickmann.
[47] Ursprünglich
war das Porträt eine Art Plakat oder Flugblatt als Einladung zu einer
„Singschule“, das heißt, einer Gesangsveranstaltung der Meistersinger,
einem öffentlichen Vortrag ihrer - in diesem Falle von Sachs stammenden - Meisterlieder (Wynen, 300, Nr. 67). Offenbar sind die Texte erst ein Jahr später
dazugesetzt worden, wohl um die Nachfrage nach dem Blatt zu fördern.
[48] Ostendorfers
Aufenthalt in den Jahren um 1545 ist unbekannt. Vielleicht trafen sich die
beiden ja auch außerhalb Nürnbergs; Sachs kam in Sachen Meistersinger-Schulen
in der Nachbarschaft Nürnbergs durchaus herum. Da beide eifrige Verfechter der
Reformation und etwa gleich alt waren, waren sie einander vielleicht sogar
sympathisch.
[49] Das
damals geläufig werdende Wort lautet heute abkonterfeien;
es stammt von mlat. contrafacere
(= abbilden) bzw. vom zugehörigen Partizip
contrafactum. Aus letzterem substantiviert dann Contrafactio[n], Contrafaktur, Conterfect, Conterfett und (heute noch) Konterfei
(= Abbild, Bildnis), wobei sich die Endung -ei wohl auch der späteren Nebenentlehnung aus dem frz. contrefait
(mit stummem End-t) verdankt (vgl. ähnlich
dt. Porträt für frz. portrait, das aus dem lat. Partizip protractum -
zu protrahere = herausziehen -
entstanden ist). - Zu den Porträt-Drucken Ostendorfers siehe Wynen,
Nrn. 77-116, zu den Bildnis-Gemälden ebd., Nrn. 19-23.
[50] Keinen Handschuh, wie Wynen notiert (300, Nr. 67); an anderer Stelle (144) erkennt er hier ebenfalls ein Tuch.
[51] Das
Zitat bei AK Sachs/Meistersinger, Nr.
121; dort wird bezweifelt, daß Sachs tatsächlich ein solches Gewand besessen
habe. Unter AK Welt, Nr. 268 ist die
Gestalt eines „Reichen Mannes“ (des Prototyps der späteren
„Jedermann“-Figur) unter den Schweinen abgebildet, die eine völlig
vergleichbare Kleidung trägt. Ähnliche Gewandung zeigen auch die in Abschnitt
3 angesprochenen „versteckten“ Sachs-Porträts (Abb.
2 b u. 2 c). Zur Schlitzärmelmode
und zur Schaube siehe auch AK Welt, XX
f. [Hebecker].
[52] So
zeigt es das Gothaer Exemplar (SW-Abbildung in AK
Kunst der Reformationszeit, Nr. C
59.1, farbig in AK Holzschnitt, Nr.
78; ausschnittsweise in unserer Abb. 3
IV). Bemerkenswert ist, daß bis ins 19. Jahrhundert hinein der barhäuptige Typus des Herneisenschen Greisenbildnisses für die
selbständigen Porträts stets übernommen worden ist (vgl. die Abb.
2 g - 2 q gegenüber den
vorherigen). Dazu auch Hinweise von Stuhlfauth,
23.
[53] Das
Barett war z. B. den Bauern verboten und galt, von Frauen getragen, als verwegen
(vgl. AK Welt, XVIII und XIX
[Hebecker]). Es war durchaus von der Haube getrennt (vgl. die beiden Porträt-Varianten
Leonhard Ecks von Barthel Beham bei Zschelletzschky,
95, Nr. 32).
[54] Der
Eindruck des leicht „Verschleierten“ im Blick des Dargestellten in der Abb.
1 rührt von einer Unsauberkeit im Abdruck der Augenpartie her, die wohl kräftiger
schwarz ausgedruckt sein sollte. Allerdings ist die Iris jeweils durch feine
Schnitte aufgerastert, so daß auch bei sauberem, tiefschwarzem Abdruck ein
Glanzeffekt ensteht, der dem Blick etwas Versonnenes gibt - deutlich zu sehen
beim Nürnberger Exemplar P 23 910
(vgl. Anm. 46) und beim Wolfenbütteler Exemplar (Herzog August Bibliothek, Inv.
Nr. Mortzfeld A 18281; vgl.
AK Handwerker, 12).
[54a] Zu diesem farbig ausgemalten Blatt siehe Anm. 63.
[55] Stuhlfauth,
11; ähnliche Charakterisierung bei Pfeiffer/Wendehorst,
87 f. [Brunner]. Die auch von Stuhlfauth
(11) bemerkte Diskrepanz zwischen dem etwas bieder wirkenden Antlitz und der
repräsentativen „Aufmachung“ ist nach Werner Hofmann durchgängig
kennzeichnend für die Porträtkunst der Epoche: „Im Augenblick, da die
Sprachmittel der Bildniskunst einen Höhepunkt der verfeinerten
Faktenbeschreibung erreichen, scheint indes das physiognomische Ausdrucksvermögen
auf ein bestimmtes Würdemaß eingeschränkt, das sich gleich einer durchsichtigen
Maske über Gelehrte und Kaufleute, Kardinäle und Handwerker legt [...] Wer könnte,
auf den Gesichtsausdruck konzentriert, zweifelsfrei den Seeräuber vom
Hauptmann, den aufrührerischen Schwärmer vom Beamten, den ,Hofnarren‘ vom Künstler
unterscheiden?“ (Werner Hofmann: „Wir
sind allesamt ein Leib“, in:
AK Köpfe der Lutherzeit,
9-17; das Zitat: 12).
[56] Auch
von dem ungeheuer produktiven, zeitgleich und gleich lang mit Sachs in Nürnberg
lebenden bedeutenden Medailleur Matthes Gebel gibt es keine Medaille auf Sachs (Stuhlfauth,
11), erst im Todesjahr eine (nach Ammans Kupferstich gearbeitete) von Valentin
Maler (Stuhlfauth Nr. 11, AK Sachs/Meistersinger Nr. 125). Stuhlfauth glaubt, daß der Mangel
an des Porträtierens fähigen Malern in Nürnberg – neben Herneisen gab es
hier nach dem Tod des Georg Pencz keinen weiteren Künstler mehr – ursächlich
für das Fehlen weiterer lebenszeitlicher Sachs-Bildnisse sei, da „nicht
anzunehmen“ sei, „[d]aß er am Sitzen für sein Porträt kein Gefallen
gehabt habe“ (Stuhlfauth, 22). Zum
Selbstbewußtsein des Hans Sachs s. a. Pfeiffer/Wendehorst,
89 f. [Brunner].
[57] Nach
Stuhlfauth existieren neben den schon genannten Exemplaren noch
welche in Berlin und Coburg; nach Wynen
auch noch in London und Wien. Dasselbe entnimmt man Hollstein, 187.
[58] Ein Stock
befindet sich im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen Preußischer
Kulturbesitz in Berlin (Inv.-Nr. Derschau 19; vgl. AK Kunst der Reformationszeit Nr. C 59.2). Nach freundlicher
Auskunft der Kustodin des Kupferstichkabinetts Berlin, Frau Renate Kroll, hat
der dortige Stock die Netzhaube und „gilt als zeitgenössischer Originalstock
zu Michael Ostendorfers Hans-Sachs-Porträt“ (Brief vom 28.11.1997 an den
Autor); wegen Auslagerung kann der Stock derzeit leider nicht geprüft werden.
Er ist neu abgezogen worden (als Brosamer) in Becker
(a), Nr. B 95 (offenbar übereinstimmend mit dem Nürnberger Exemplar H.
4961) und in Becker
(b) Tafel III (s. a. Stuhlfauth,
41, Anm. 12). Auch dieses Exemplar ist ein später Abzug (1821) von einem
originalen Stock; auf dem Passepartout befindet sich die handschriftliche Notiz
eines anonymen Bearbeiters, wonach sich verschiedene Exemplare des Sachs-Porträts
„in der
Strichführung” unterscheiden. (Dementsprechend vermerkt auch Hollstein,
187, “minor changes in ... cutting (!)”. - Der Stock mit glatter Haube (wie unsere Abb.
1) ist erkennbar in den Abbildungen bei Geisberg,
172, Nr. 977 bzw. (großformatig) bei Geisberg/
Strauss, 934 (Nr. G.977). Der Abdruck dieses Stockes zeigt rechts unten, über
dem Schriftzug „... 51. JAR“
vollständige Schraffur, wo die Drucke des anderen Stockes eine leere, weißgebliebene
Stelle zeigen. (Die Wiedergabe auf dem Titel von Weickmann, die leider
nicht näher belegt ist, könnte sogar einen dritten Stock vermuten lassen). Wynen (300, Nr. 67) benennt einen nachgeschnittenen, gegensinnigen
Stock, der 1942 in Salzburger Privatbesitz vorhanden gewesen sein soll (Hollstein, 187, gibt die gleiche Information, offenbar nach Wynen);
von diesem Stock ist in Berlin nichts bekannt. -
Weder die Exemplare in Coburg (das mit der Inv.-Nr. I,211,
4 und ein weiteres in dem Neudruck-Sammelband Becker
(c), Blatt 10) noch das in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
befindliche (Inv.-Nr.
Mortzfeld A 18281 [= ehemals II
4664]) entsprechen unserer Abb. 1
(freundliche briefliche Auskünfte der Sammlungen an den Autor). -
Wenn Röttinger (b), 26, (auf Schäufelein
bezogen) anmerkt: „Der Stock ist gewissermaßen das Bleibende in der
Erscheinungen Flucht“ (= der Vielzahl schwer bestimmbarer Nachdrucke eines
Holzschnittes), so hilft das nur weiter, wenn die fraglichen Stöcke erhalten
sind bzw. zweifelsfrei erschlossen werden können. Es bleibt ein Desiderat, die
einst vorhandenen Stöcke des Ostendorferschen Sachs-Porträts zu ermitteln, sie
- sofern noch existent - aufzuspüren und zu untersuchen, und alle
erhaltenen Drucke ihnen zuzuordnen.
[59] Derschau
(laut Wynen) 32 x 28,4 cm;
Stuhlfauth (11) 31,2 x 28 cm; Wynen
(300, Nr. 67) 30,9 x 27,8 cm; Gothaer Exemplar (Nr. 38,7) 31,1 x 27,6 cm. Stuhlfauth
vermerkt die unterschiedlichen Maße („von 310 x 276 mm bis 315 x 283 mm“),
ohne Begründungen zu erörtern (42, Anm. 15). Von allen gedruckten Sachs-Porträts
(vgl. Abb. 2) ist das Ostendorfersche mit Abstand das größte.
[60] Vgl.
Anm. 42a.
[61] Abb.
bei Genée, 299. Gezeichnet ist es
offenbar vom Autor selbst (oder aber einem seiner Verwandten): Die Abbildung ist
im Stock signiert mit „R. Genée sc.“ (lat. sculpsit
= hat es geschnitten). -
Einen ebenfalls modernen, wenn auch eine alte Darstellung vortäuschenden
Holz-Nachschnitt zeigt die obere Abbildung bei Nürnberg
heute 22/1976, 18 [Lehnert],
deutlich nach dem Kupferstich des Lucas Kilian (wie Abb.
2 i und Anm. 37 i) gearbeitet und daher sicher nicht zeitgenössisch,
wie die Bildunterschrift es will.
[62] Zum
Stock-Sammler Derschau siehe Becker (a).
[63] Das
altkolorierte Gothaer Druckexemplar (Abb.
3 IV) stammt offenbar vom Stock mit der Netzhaube (Schwarz-Weiß-Abbildung
bei AK Kunst der Reformationszeit Nr.
C 59.1, Farbabbildung bei AK Holzschnitt,
Nr. 78). Ein in Berlin vorhandener kolorierter Abzug stammt offenbar nicht vom
Berliner Stock, sondern von der Geisbergschen Version (nach Kroll wie Anm. 58). - Das eine Kolorierung nachahmende farbige
Umschlagbild bei Berger ist in den
Farben willkürlich; dort findet sich leider kein Bildnachweis, den der Verlag
auf Anfrage auch nicht nachliefern konnte.
[64] Sachs,
der mit Ostendorfer etwa gleichaltrig war, überlebte diesen um siebzehn, dessen
Sachs-Porträt um einunddreißig Jahre.
[65] Vgl.
Michel-Briefmarken-Katalog Deutschland 1997/98, München 1997, 629, Nr. 1763
(Ausgabetag 13. Oktober, Postwert 100 Pfennige, gestaltet – nach welcher
Vorlage? – von „Nitzsche“). Eine gute Schwarz-Weiß-Wiedergabe des
entsprechenden Zehnerblocks bei Hans-Sachs-Gymnasium,
56.
[66] „Hände
... konnte Ostendorfer nicht malen.“ (Wynen,
195).
[67] Wynen,
199, hält einen Einfluß Nürnberger Künstler für nicht wahrscheinlich,
selbst wenn Ostendorfer dort gewesen sein sollte; allenfalls eine „völlige
Verhärtung“ im Strich könne auf Erhard Schön und Niklas Stör zurückzuführen
sein. Typisch ist die Betonung des Umrisses der Hauptformen. „Die
Binnenzeichnung ist meist sehr sparsam angelegt unter häufiger Verwendung von
Parallelschraffur, seltener mit Anlage von Kreuzstrichen“ (Wynen, 199 f., der sich dabei auf das Spätwerk bezieht; das Gesagte
gilt aber schon hier). Dazu ist auch zu bedenken, daß Kreuzschraffuren im
Holzschnitt (der ja ein Hochdruckverfahren ist) doch ziemlich schwierig sind,
weshalb sie Ostendorfer offenbar gerne vermied.
[68] Stuhlfauth, 11, konzediert Ostendorfer, er habe hier immerhin „vergleichsweise
Treffliches geleistet“.
[69] Wynen,
144. „Hans Sachs ist auf der Höhe seines Lebens, seines Wirkens, seines Glücks:
dies ist der unverkennbare Gesamteindruck, den Ostendorfers Hand mit hoher, wenn
auch vielleicht etwas trockener Geschicklichkeit
festgehalten hat“ (Stuhlfauth, 12).
[70] Vgl.
Text bei Stuhlfauth, 19, zu den beiden
Herneisen-Fassungen. Sachs-Kommentare gibt es zum Herneisen-Brustbild (Stuhlfauth,
20 [zu Nr. 8]) und zu Jenichens Stich (Abb.
2 f) (Stuhlfauth, 43 f., Anm. 37
[zu Nr. 6]).
[71] Die
Texte sind nach dem Exemplar der Abb. 1
(= dem Foto des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg) zitiert, im Faksimile
lesbar auch in Geisberg/Strauss, 934; Hollstein,
186; oder in der Abb. bei AK
Sachs/Meistersinger, 149. Der Wortlaut ist auch abgedruckt bei Stuhlfauth,
12. Es gibt auch Exemplare ohne Text (z. B. das genannte Nürnberger im GNM Nr. P
23 910) oder nur mit dem deutschen Text in leicht unterschiedlichen
Varianten; beim Gothaer Farb-Exemplar sind Überschrift und lateinischer Text
abgeschnitten und auf die Rückseite geklebt (AK
Kunst der Reformationszeit, Nr. C 59.1).
[71a] Der
Name Kettners ist dem Brauch der Zeit entsprechend latinisiert; im Deutschen mit
einem oder zwei t denkbar. Der Autor
stammte aus Hersbruck, ist in Nördlingen 1545 als „Poeten“ und „Cantor zu
Nürnberg“ (bei St. Egidien) belegt (Wynen,
300, Nr. 67; Stuhlfauth, 42, Anm. 16;
dort weitere Literaturhinweise; und Will
(a), 199 f.; nach letzterem war er zusätzlich möglicherweise auch in
Rothenburg o. d. T. bedienstet). Kettner hat u. a. „Ein Lied von Hn. D. M. Luthers
Sterben [...]“ geschrieben, das einmal auch zusammen mit Sachsens
„Epitaphium oder Klagred [...]“ auf Luthers Tod (Vgl. Anm. 37c)
herausgegeben worden ist (Will (a),
200). – Vielleicht ist der älteste dokumentierte Meistersinger, Fritz Kettner
(um 1400 – siehe AK Sachs/Meistersinger,
16 [Brunner]; Pfeiffer, 205
[Brunner/Straßner]) ein Vorfahre von ihm.
[72] Betz
war offenbar auch ein Meistersinger, „ein Schüler und Nachahmer des Hans
Sachs“ (Stuhlfauth, 42, Anm. 16; dort weitere Hinweise). Laut Brunner/Hirschmann/Schnelbögl,
70 [Straßner], verfaßte ein Johann Betz, der ein „Rechenmeister“ war,
Schulspiele und übersetzte Reuchlins „Henno“ ins Deutsche – eine
Leistung, die andere (wenigstens zum Teil) Sachs selbst zuschreiben (Füssel (b), 8 (Vorwort des Herausgebers). Ob es sich bei diesen
beiden Betz um ein- und dieselbe Person handelt, ist unklar.
[73] Das
Distichon ist eines der im Humanismus beliebten klassischen Versmaße.
Lateinkundige können sich an diesem Text im Deklamieren üben! -
Gegenüber dem Original sind in der hier gegebenen Textfassung gelegentlich u durch v und v
durch u ersetzt sowie die Kürzel und Ligaturen aufgelöst. Das damals in
der Antiqua-Schrift noch genauso wie in der Fraktur gebräuchliche und auch im
hier betrachteten Exemplar verwendete „lange“ s läßt sich hier nicht wiedergeben.
[74] Die
Übersetzung hat mein Kollege am Ostendorfer-Gymnasium Neumarkt i. d. OPf., Dr.
Herbert Rädle, erstellt, dem ich sehr herzlich dafür danke! Auch alle im
folgenden getroffenen Anmerkungen zum lateinischen Text (Anm. 75-80) gehen auf
ihn zurück.
[75] Naso
steht für Ovid (Publius Ovidius Naso, 43 v. Chr. bis etwa 17 n. Chr.),
Maro für Vergil (Publius Vergilius Maro, 70-19 v. Chr.), zwei berühmte römische
Dichter der Augustuszeit.
[76] Vgl.
dazu auch das vorletzte Distichon und die Anm. 78.
[77] Recitasse = recitavisse.
[78] Mit den Artes
sind die sogenannten Septem artes
liberales gemeint. Das sind die schon in der Spätantike festgelegten Fächer
der Bildung, die im Mittelalter zu den wissenschaftlichen Disziplinen der
„Artistenfakultät“ der Universität fortentwickelt wurden, die eine Art
Grundstudium vor der Spezialisierung auf Theologie, Jurisprudenz oder Medizin
anbot. Man teilte die Artes liberales
in zwei Bereiche auf, das Trivium
(„Dreiweg“ = die drei „sprachlichen“ Fächer Grammatik, Rhetorik und
Dialektik [= Logik]) und daneben das Quadrivium
(„Vierweg“ = die vier „mathematischen“ Fächer Geometrie, Arithmetik, Astronomie
und Musik; letztere im pythagoreischen Sinne eine von Zahlenverhältnissen
bestimmte Disziplin). Die Artes, v. a.
das Trivium, wurden schließlich in
der frühen Neuzeit zum Grundkanon der stadtbürgerlichen Lateinschulen. Ob im
vorliegenden Text die Musae mit den
Artes als den Wissenschaften gleichgesetzt sind, oder ob sie nicht eher die
poetische Begabung des (zu lateinischen
Versen fähigen) Dichters vertreten sollen, ist unklar (vgl. auch Anm. 81).
[79] Geläufiger
ist die Form „Norimberga“ für den lateinischen Namen Nürnbergs; in den ältesten
lateinischen Dokumenten (bei Otto von Freising -
sh. Pfeiffer, 12 [Bosl]) heißt Nürnberg „(castrum) Noricum“.
[80] Das
sehr seltene ceu für „wie“ wird
hier aus Gründen des Versmaßes gewählt, da ein ut
mit dem vorausgehenden i des ubi
verschmolzen werden müßte. Aus dem gleichen Grund ist in der vorhergehenden
Zeile der „dichterische Plural“ gebraucht (vultus statt vultum und
nachfolgend entsprechend quos ... vivos).
[81] Hier
sehen wir das spätere jahrhundertelange Vorurteil, Sachs sei ein ungebildeter
Tropf gewesen, in nuce angelegt (vgl. Anm. 35 zu seiner lateinischen
Bildung). 1679 wird der (durchaus wohlwollende) Christian Hofmann von
Hofmannswaldau schreiben, Sachs „würde [...] , wann er bessere Wissenschaft
von gelehrten Sachen, und genauere Anweisung gehabt hätte, es vielen, die nach
seiner Zeit geschrieben, [...] weit vorgetan haben“ (zit. nach Nürnberg
heute 22/1976, 41 [Brunner]), und fortan wird man Sachs seine angeblich
mangelnde Bildung vorwerfen.
[82] Die
Qualität der beiden Texte ist nicht so sehr unterschiedlich wie es scheint:
Unsere hier gegebene deutsche Version des Kettner-Textes ist ja geglättet, während
wir den deutschen Betz-Text originalgetreu wiedergeben (was ihn auch jeglicher
Rechtschreib-Debatte enthebt). Eine wörtliche
Übersetzung der lateinischen Formulierungen würde eine dem Betz’schen
Ausdruck ähnliche, holperig-stockende Fassung ergeben (Lateinschüler/innen können
sich ja einmal an einer wortgetreuen Übersetzung versuchen!). Dagegen hat der
lateinische Text durch sein klassisches Versmaß einigen rhythmischen Schwung
und „klingt“ daher entschieden besser. -
Der Text des Johann Betz ist später wörtlich wieder verwendet worden bei den
Sachs-Bildnissen des Hans Weigel und des Georg Lang (AK
Sachs/Meistersinger, Nr. 122; Stuhlfauth,
15 f.); auch in der 3. Auflage des 3. Bandes der Folio-Ausgabe. Nicht zuletzt
wurde er schließlich wieder aufgegriffen bei den erwähnten Neuabdrucken des
Ostendorfer-Schnittes im 19. Jahrhundert.
[83] Vgl.
Anm. 49.
[84] = bewiesen.
[85] Über das Lachen bei Hans Sachs anregend: Cysarz, 25 ff.
[86] Bernstein, 15; zu Amman siehe Abb. 2 g
und Anm. 37 g. In der Danksagung des Malers Herneisen für das „Valete“ (= für
die Abschiedsverse des todkranken Sachs an den Maler) heißt es: „wer aber
wollt sein gmüt und hertz / Abgemalt schawen / der seh on schmertz / I[h]n mit
fleiß in sein Büchern an / Da wird ers recht Conterfett han“ (zit. nach Stuhlfauth,
22; auch bei Zander-Seidel [wie Anm. 41] in
AK Handwerker, 23). Solche
Bildnis-Unterschriften – auch in dem Sinn: Das Aussehen lasse sich im Bild
darstellen, das geistige Werk nicht – gehören zu den Standardformeln der Zeit
besonders bei Humanistenporträts, z. B. bei den Dürer-Kupferstichen der
Bildnisse des Erasmus und des Melanchton. Bei Dürers Erasmus-Porträt steht
nach der lateinischen Aussage, daß es nach dem Leben entstanden sei, auf
griechisch der Satz: „Das bessere [Porträt] werden seine Schriften zeigen“.
Der Text des Melanchthon-Bildnisses besagt auf lateinisch, daß Dürer das Bild
des Gelehrten habe zeichnen können, nicht aber dessen Geist. (Vgl. AK
Handwerker, Text 20 f. [Zander-Seidel] und 21, Abb. 4; AK Martin Luther, Nr. 610; AK
Kunst der Reformationszeit, Nr. E 39). Siehe dazu ausführlich Peter-Klaus
Schuster, „Überleben im Bild.
Bemerkungen zum humanistischen Bildnis der Lutherzeit“, in: AK
Köpfe der Lutherzeit, 16-25 (hier 18 ff. und Abb. 12 u. 14 sowie Nrn. 67 u.
66; die Abbildungen in diesem Band eignen sich übrigens gut als Vergleichsmaßstab
für die künstlerische Qualität der zeitgenössischen Sachs-Porträts). -
Auch der
bildliche Aufbau des typischen Humanistenporträts folgt einer festgelegten
Anordnung (der Schreibende am Büchertisch), die sich in einigen der Sachs-Porträts
wiederfindet (vgl. AK Handwerker, 20 f. [Zander-Seidel]; da unsere Abb.
2 nur Ausschnitte zeigt, läßt sich dieser Aspekt hier nicht
nachvollziehen). Es ist immerhin bezeichnend für die zeitgenössische Wertschätzung
des Hans Sachs, daß man seinem Werk ein ähnlich bedeutendes geistiges Nachleben
zutraute wie dem der Humanisten und sich folglich auch nicht scheute, ihn in
deren typischer Pose darzustellen.
Das Verzeichnis benennt nur die berücksichtigte
Literatur. Autoren und Titel von Aufsätzen aus den angeführten
Ausstellungskatalogen (= AK ...) und Periodica sind, wenn überhaupt, nur im
Anmerkungsteil genannt. (Zur Bibliographie siehe auch dort, Anm. 5).
AK
Handwerker
500 Jahre Hans Sachs - Handwerker, Dichter, Stadtbürger. Eine Ausstellung der Herzog August Bibliothek
Wolfenbüttel vom 19. November 1994 bis 29. Januar 1995. Hg. Dieter Merzbacher
u. a. Wiesbaden 1994. (Ausstellungskataloge der HAB, 72)
AK
Holzschnitt
Der
deutsche Holzschnitt der Reformationszeit aus dem Besitz des Schloßmuseums /
Museen der Stadt Gotha. Ausstellung
im Städtischen Museum Schloß Salder der Stadt Salzgitter vom 1. Februar bis
zum 16. März 1997. (Leitung und Konzeption Schloßmuseum Gotha: Bernd Schäfer).
Salzgitter 1997.
AK
Köpfe der Lutherzeit
Köpfe
der Lutherzeit. Ausstellung Kunsthalle Hamburg 4. März - 24. April 1983.
Hg. von Werner Hofmann. München 1983.
AK
Kunst der Reformationszeit
Kunst der Reformationszeit, Ausstellungskatalog der Staatl. Museen zu Berlin (DDR), Ausg. Berlin
(West) 1983.
AK
Luther im Porträt
Luther im Porträt. Druckgraphik 1550-1900. Ausstellungskatalog. Bad Oeynhausen 1983.
AK
Martin Luther
Martin Luther und die Reformation in Deutschland. Ausstellung zum 500. Geburtstag Martin Luthers.
Veranstaltet vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem
Verein für Reformationsgeschichte. Hg. vom GNM / Gerhard Bott. Nürnberg 1983.
AK
Meistersinger/Wagner
Die
Meistersinger und Richard Wagner. Die Rezeptionsgeschichte einer Oper von 1868
bis heute. Eine
Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und des Theatermuseums
des Instituts für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft der Universität Köln
- vom 10. Juli bis 11. Oktober 1981 im
Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Hg. vom GNM / Gerhard Bott. 2., ergänzte
Fassung. Nürnberg o. J.
AK
Sachs/Meistersinger
Hans Sachs und die Meistersinger in ihrer Zeit. Eine Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg
in Bayreuth vom 26. Juli bis 30. August 1981. Hg. vom GNM / Gerhard Bott. Nürnberg
1981.
AK
Welt
Die Welt des Hans Sachs. 400 Holzschnitte des 16. Jahrhunderts. Ausstellung im Kemenatenbau der Kaiserburg vom 30.
Juli bis 3. Oktober 1976. Nürnberg 1976. (Ausstellungskataloge der
Stadtgeschichtlichen Museen Nürnberg, 10).
Amman
Jost Amman: Das
Ständebuch. 133 Holzschnitte mit Versen von Hans Sachs und Hartmann
Schopper. Hg. von Manfred Lemmer. 2. Aufl. Leipzig 1976 (Insel-Bücherei, 133 =
Reprint der Ausgabe Eygentliche
Beschreibung Aller Stände auff Erden... , Frankfurt/Main 1568).
Becker
(a)
Rudolph
Zacharias Becker (Hg.): Holzschnitte alter deutscher Meister in den Original= Platten gesammelt
von Hans Albrecht von Derschau. Als Beytrag zur Kunstgeschichte hg. 3.
Lieferung. Gotha 1816.
Becker
(b)
Rudolph
Zacharias Becker: Hans Sachs im Gewande seiner Zeit. Gotha 1821.
Becker (c)
Rudolph Zacharias Becker (Hg.): Bildnisse
der Urheber und Beförderer auch einiger Gegner der Religions- und
Kirchenverbesserung im sechzehnten Jahrhundert nebst anderen darauf Bezug
habenden Bildern in gleichzeitigen Holzschnitten. Gotha 1817.
Berger
Wilhelm Richard
Berger: Hans Sachs - Schuhmacher und Poet.
Frankfurt/M. 1994.
Bernstein
Eckhard
Bernstein: Hans Sachs, mit
Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. (Rowohlts Monographien
428). Hamburg 1993 .
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Gerhard Hirschmann, Fritz Schnelbögl (Hg.):
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Cysarz
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Hans Sachs. Begegnungen von Bürgerwelt, Renaissance und Reformation.
Füssel
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Stephan Füssel
(Hg.): Hans Sachs. Katalog zur
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Füssel (b)
Stephan Füssel
(Hg.): Hans Sachs im Schnittpunkt von
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(Bibliothek Deutscher Klassiker, hg. von der Stiftung Weimarer Klassik).
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Volume XXX, Nickel Nehrlich the Younger to Michael Ostendorfer. Editor
Dr. Tilman Frank, Compiled by Robert Zijlma. Rosendaal / The Netherlands, 1991.
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Schriftenverzeichnis zum 400. Todestag im Jahr 1976 zusammengestellt in der
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Herbert Maas
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Nürnberg
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Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Nürnberg 1977
(Jg. 64), 1993 (Jg. 80), 1994 (Jg. 81).
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Nürnberg - Geschichte einer europäischen Stadt. München 1971. [Darin: Horst Brunner/Ernst
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Pfeiffer/Wendehorst
Pfeiffer/Wendehorst
(Hg.): Fränkische Lebensbilder, Bd.
7. Neustadt / Aisch 1977. [Darin: Horst Brunner, „Hans Sachs“, 77-96].
Röttinger
(a)
Heinrich Röttinger:
Beiträge zur Geschichte des sächsischen
Holzschnitts. Straßburg 1921. (Studien zur deutschen Kunstgeschichte, 213).
Röttinger
(b)
Heinrich Röttinger:
Die Bilderbogen des Hans Sachs. Straßburg
1927. (Studien zur Deutschen Kunstgeschichte, 247).
Sachs/Braun
Hans Sachs: Lieder,
Gedichte, Spiele. Zusammengestellt
und mit einem Nachwort von Heinrich von Braun. Essen 1987 (Bibliothek der
Weltliteratur).
Sachs/Geiger
Hans Sachs: Meistergesänge,
Fastnachtspiele, Schwänke. Hg. von Eugen Geiger. Stuttgart 1992. (Reclams
Universal-Bibliothek, 7627).
Sachs/Kusz:
Hans Sachs, Fünf
Fastnachtspiele, ins Landnürnbergische
übertragen von Fitzgerald Kusz. Mit 6 Zeichnungen von Michael Mathias
Prechtl. Erlangen 1976.
Sachs/Seufert
Hans Sachs: Die Wittenbergisch
Nachtigall. Spruchgedicht, vier Reformationsdialoge und das Meisterlied Das walt
Got. Hg. von Gerald H. Seufert. Stuttgart 1984. (Reclams
Universal-Bibliothek, 9737).
Stuhlfauth
Georg
Stuhlfauth: Die Bildnisse des Hans Sachs
vom 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Berlin 1939.
Vogler
Günter Vogler:
Nürnberg 1524/25. Studien zur Geschichte
der reformatorischen und sozialen Bewegung in der Reichsstadt. Berlin (DDR)
1982.
Wagner
Richard Wagner: Die Meistersinger
von Nürnberg. Handlung in drei Aufzügen. Vollständiges Textbuch, hg. von
Wilhelm Zentner. Nachwort von Ulrich Karthaus. Stuttgart 1997. (Reclams
Universal-Bibliothek, 5639).
Wedler
Klaus Wedler: Hans Sachs.
Leipzig 1976.
Weickmann
Rudolf J.
Weickmann: Hans Sachs. Leben und Werk des
großen Schusterpoeten, leicht faßbar nacherzählt. Schwabach 1975.
Will
(a)
Georg Andreas
Will’s [...] Nürnbergisches Gelehrten=Lexikon oder Beschreibung aller Nürnbergischen
Gelehrten beyderley Geschlechts [...] fortgesetzt von Christian Conrad
Nopitsch. Sechster Theil oder zweiter Suppelementband von H-M, Altdorf
[...] 1805.
Will
(b)
Georg Andreas
Will’s [...] Nürnbergisches Gelehrten=Lexikon oder Beschreibung aller Nürnbergischen
Gelehrten beyderley Geschlechts [...] fortgesetzt von Christian Conrad
Nopitsch. Achter Theil oder vierter Supplementband von S-Z, Altdorf
[...] 1808.
Arnulf Wynen:
Michael Ostendorfer (um 1492-1559). Ein Regensburger Maler der Reformationszeit.
(Phil. Diss.). Freiburg 1961.
Zschelletzschky
Herbert
Zschelletzschky: Die „drei gottlosen Maler“ von Nürnberg. Sebald Beham, Barthel
Beham und Georg Pencz. Historische Grundlagen und ikonologische Probleme ihrer
Graphik zur Reformations- und
Bauernkriegszeit. Leipzig 1975.
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