Ostendorfers Heroldsdarstellungen
( OSTENDORFERIANA VII )
Aus
dem druckgrafischen Werk Michael Ostendorfers [1] ragt eine
umfangreiche Serie von ganzfigurigen Darstellungen von Regenten und anderen Persönlichkeiten
seiner Zeit heraus, die im Werkkatalog des Meisters als Fürstenbildnisse
verzeichnet sind.[2] Innerhalb dieser Gruppe finden sich
wiederum zwei vereinzelte Wiedergaben von stattlichen, viel Würde
ausstrahlenden Herren, die – auch mit Hilfe
eines erläuternden Begleittextes – dem
Betrachter als Personen vorgestellt werden, die zwar hohen Ranges, aber keine Fürsten
sind: Die beiden Dargestellten sind der Deutsche und der Böhmische Herold,
oder, wie es in der originalen Beschriftung mit dem zeitgenössischen Ausdruck
heißt, E[h]renhold (Abb. 1 und 2).[3] Diesen beiden
Holzschnitten, die kurz vor der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden sind[4],
widmet sich der folgende Aufsatz.
Weiter
ist den beiden Figuren ein Untergewand mit üppig-fülligen Ärmeln gemeinsam
sowie ein wie ein Poncho gearbeiteter, an den Rändern mit Fransen besetzter und
wahrscheinlich gefütterter Überwurf. Dieser liegt schwer auf Schultern und
Oberarmen und fällt vorne und hinten als mächtige Stoffbahn herab, womit er
der Kasel, dem Obergewand des Priesters, ähnelt. Vorder- wie Rückenteil sind
an den Seiten nicht miteinander verbunden, so dass dort – auf der Abb. 2 gut
erkennbar – die Unterkleidung hervorschaut. Das Obergewand hat also keine
angenähten, zugeschnittenen Ärmel, sondern ist lediglich im Schulterbereich
stark verbreitert und weist nur eine enge Halsöffnung auf. In beiden Fällen
sind innen wie außen reiche Stickereien als Umrandung verwendet. Am meisten ins
Auge springt die jeweils auf der Vorderseite angebrachte, gewirkte oder
gestickte Darstellung einer riesigen Wappenfigur: Beim Deutschen Herold ist es
der Doppeladler Habsburgs, beim Böhmischen ein aufrecht schreitender Löwe, das
böhmische Wappentier. An den Schultern des Deutschen Herolds (Abb. 1) erkennt
man die Schwingenspitzen eines weiteren Adlers; offenbar ist die Wappenfigur
auch auf der Rückseite des Überwurfes dargestellt, was man wohl entsprechend
auch für den Böhmischen Herold annehmen darf.
Die
Ausstattung wird ergänzt durch eine runde Kappe, die der eine Herold auf dem
Kopf, der andere in der Hand trägt. Beide haben mit der rechten Hand einen
szepterartigen, gedrechselten Stab gefasst und über die Schulter gelegt. Auf
der anderen Körperseite sind sie mit einem Dolch bzw. Schwert versehen, dessen
Scheide an einem hier
nicht sichtbaren Gürtel hängt und unter den Rändern des Überwurfes
hervorschaut.
Schließlich
ist den beiden Darstellungen gemeinsam, dass die Figur jeweils vor einem leeren,
unstrukturierten Hintergrund erscheint, was sie quasi ort- und zeitlos macht.
Lediglich zu Füßen der Figur ist in beiden Fällen ein mit Gras bzw. Kräutern
bewachsener Naturboden erkennbar, was einen Auftritt der noblen Herren im Freien
andeutet oder auch nur die Unbestimmtheit eines beliebigen Ortes kennzeichnet.[5]
Eingebettet in diese Bodenstruktur ist jeweils das Monogramm des Künstlers: Das
schräg liegende, in einem Zug gezeichnete M (für Michael), dessen
Mittelschleife das Initial-O des Nachnamens darstellen soll: Beim Deutschen
Herold ganz links, beim Böhmischen zwischen den Füßen halbrechts eingefügt.[6]
Die
nach „Outfit“ und Körpersprache ziemlich gleichartig charakterisierten
Herren sehen durch ihre unterschiedliche Körperwendung wie die Pendantstücke
eines zusammengehörigen Bildpaares aus, können aber auch zu einer größeren
Serie von Heroldsdarstellungen gehört haben. Überliefert sind in Ostendorfers
Werk nur diese beiden Beispiele.
*
* *
Zieht
man einschlägige Literatur heran [7], so bestätigt sich die
äußere Erscheinung dieser beiden beeindruckenden Gestalten als die von
typischen Herolden, und auch über deren Funktion erfahren wir Näheres. Demnach
ist die auf unseren Abbildungen erkennbare Kleidung der sogenannte Tappert
oder Heroldsrock, die offizielle Amtskleidung des Herolds. Sie hat sich
aus dem Wappenkleid der Ritter entwickelt, das diesen – über der Rüstung
getragen – als Schutz gegen Feuchtigkeit und starke Sonneneinstrahlung diente.
Die Tapperten wiesen auf Brust und Rücken stets das Wappen des Herrn auf, in
dessen Diensten der Herold stand. Zu dessen Amtstracht gehörte als Zeichen der
Macht außerdem der sogenannte Heroldsstab, wie wir ihn ebenfalls auf
unseren Abbildungen gefunden haben.[8]
Das
Wort Herold stammt vermutlich
Die
Aufgaben der Herolde hatten sich aus der Rolle der so genannten Knappen von
den Wappen (auch: Wappenknaben) entwickelt. Das waren Boten und
Beauftragte, Melder und Ausrufer. Auch das Lob der sich bei den Turnieren
auszeichnenden Ritter – in Form von Liedern und Gesängen – oblag diesen
Edelknaben. Deren Funktionen übernahmen im Spätmittelalter, etwa ab der Mitte
des 14. Jahrhunderts, die Herolde.[10]
Ritterturniere
waren festspielähnliche
Schaugefechte oder Kampfspiele, die – ursprünglich echte kriegerische
Auseinandersetzungen – im ausgehenden Mittelalter zu ritualisierten
Freizeitveranstaltungen des Adels geworden waren und nunmehr gesellschaftliche
Ereignisse ersten Ranges bildeten. Sie wurden von Herolden als Schiedsrichtern
oder Showmastern, wie wir heute sagen würden, geleitet. Diese prüften die
adlige Abkunft der beteiligten Ritter und damit ihre Turnierfähigkeit (z. B. in
der so genannten Helmschau) und waren auch für den Entwurf der
Adelswappen und deren Kontrolle (z. B. auf korrekte Einhaltung der Farben) zuständig.
Durch die Rüstung und vor allem durch das geschlossene Visier war der
gepanzerte Ritter ja im Kampf oder Wettstreit nur an seinem Wappen erkennbar,
das er auf dem Schild und auf dem Wappenkleid oder der Pferdedecke angebracht
hatte. Die Identifikation der Ritter aus diesen Wappen gelang keineswegs
jedermann, sondern erforderte das Spezialwissen von Fachleuten – eben der
Herolde.
Allerdings
beruhte deren Wissen über die Wappen und ihre Träger eher auf praktisch
erworbenen, empirischen Kenntnissen, während die wissenschaftlich-theoretische
Wappenkunde (die Heraldik, die ihren Namen ebenfalls von den Herolden
ableitet) erst entstand, als die hohe Zeit des Rüstung- und Wappentragens schon
vorbei war. Aus der theoretischen Beschäftigung der Herolde mit den
Wappenbildern entwickelte sich die – anfangs sogar geheimgehaltene –
heraldische Fachsprache. Diese ist von übertriebener Künstlichkeit und
Spitzfindigkeit gekennzeichnet, von einer gewissen "esoterischen"
Absonderlichkeit und Neigung zu leerem Wortgeklingel. Der heraldische Laie kennt
davon vielleicht die Eigenart, in der Beschreibung die Seiten links und rechts
zu vertauschen (also den Schild aus der "Sicht" seines Trägers zu
betrachten). Ein anderes Beispiel der Fachsprache ist der Ausdruck
„Blasonieren“ (aus frz. blason = "Wappenschild") als
Bezeichnung für das regelgetreue heraldische Beschreiben der Wappenbilder. Das
Wort, das auch im Begleittext unserer Abbildungen vorkommt, steht in einem
unklaren etymologischen Zusammenhang mit dem gleichbedeutenden deutschen Begriff
Ausblasen. Dieser verdankt sich seinerseits dem Turnierbrauch, den
Auftritt eines neuen Ritters mit Trompeten- oder Hornsignalen anzukündigen. Aus
einem Terminus für das tatsächliche Ausblasen der Wappen mittels eines
Blasinstruments wurde so ein feststehender Begriff für deren verbale
Beschreibung.[11]
Seit
Beginn des 15. Jahrhunderts gab man den Herolden auch Amtsnamen, die in der
Regel auf die Titel oder Gebiete ihrer Herren verwiesen. Doch ist diese Sitte zu
Anfang des 16. Jahrhunderts schon wieder außer Gebrauch gekommen. Auch unsere
Ostendorferschen Beispiele führen weder in der Überschrift noch im Begleittext
einen solchen offiziellen Herkunftstitel an.[12]
Die
Herolde erlangten durch ihre vielseitige Tätigkeit oft Reichtum und Ansehen.
Doch mit dem Rückgang der Turniere und dem allgemeinen Verfall des Rittertums
zum Ende des Mittelalters verlor ihre diesbezügliche Funktion mehr und mehr an
Bedeutung; sie verwandelten sich nach und nach in eine Art Botschafter oder
Stellvertreter ihrer Fürsten auf Konzilien, Reichstagen oder anderen Ständeversammlungen.[13]
Zwar hielten die erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts entstehenden einschlägigen
Behörden, die sogenannten Heroldsämter, noch durch Jahrhunderte
hindurch das repräsentative Wappenwesen am Leben und führten es zu immer
komplexeren Formen. (Dabei erfuhren etwa die dekorativen Heroldsgewänder noch
mannigfache Variationen mit der Tendenz zu üppiger Prunkentfaltung; besonders
entwicklungsfähig waren dabei offenbar Hut und Beinkleid).[14]
Aber bei den so geschmückten, als Herolde auftretenden Figuren des 17. und 18.
Jahrhunderts handelte es sich nur noch um verkleidete Statisten, also nicht mehr
um Sachverständige in heraldischen Fragen. Die saßen jetzt eher in der
Studierstube, statt als eitle Zeremonienmeister auf dem Platz herumzulaufen, und
leisteten als geschickte Wappenmaler kunst- und erfindungsreiche Arbeit, wovon
einige erhaltene, äußerst prächtige Wappenbücher zeugen.[15]
*
* *
Wie
Ostendorfer dazu kam, den Deutschen und den Böhmischen
Herold abzubilden, ist nicht bekannt. Offenkundig sind die beiden Figuren in
der damaligen Öffentlichkeit mit beträchtlichem Aufsehen aufgetreten –
vielleicht in diplomatischer Mission anlässlich der Reichstage in Regensburg,
Gelegenheiten, bei denen der Künstler sie gesehen haben könnte.[16]
Ostendorfer muss – bei aller nachlassenden Bedeutung der Herolde – mit so
viel Interesse für seine Darstellungen gerechnet haben, dass sich ihre
Reproduktion im Holzschnitt und ihre Vervielfältigung im Druck für ihn lohnte.
Vielleicht hatten seine Abdrucke damals eine ähnliche Funktion wie heute die
Autogrammkarten von Prominenten. Den beigegebenen Texten nach zu schließen
hatten sich die Herolde zu seiner Zeit offenbar auf die Rolle von Tugendwächtern
und Kritikern des Adels spezialisiert. Die Fähigkeit der Herolde, gereimte
Texte zu verfassen und vorzutragen, gehörte ja seit Anbeginn zu den
Anforderungen ihres Amtes; ihr in dieser Form vorgebrachtes moralisches Urteil
war anscheinend durchaus geeignet, das Ansehen der Adeligen bei deren
Standesgenossen und mehr noch in der nichtadeligen Öffentlichkeit zu fördern
bzw. zu schmälern.[17]
Ob
Ostendorfers Herolde in den Gesichtern den Vorbildern ähnlich sind, lässt sich
nicht ermitteln und ist wohl eher zu bezweifeln. Auch wenn er die Bilder nach
den realen Modellen gezeichnet haben sollte, wird es ihm nicht vordringlich auf
deren persönliche Züge angekommen sein.[18] Selbst bei den
eingangs erwähnten – sicher wichtiger genommenen – Fürstenbildnissen ist
Bildnistreue keineswegs in jedem Fall gegeben oder auch nur angestrebt;
vielleicht steckt mehr „von Ostendorfer“ in allen diesen Abgebildeten als
von ihrer jeweiligen eigenen Persönlichkeit.[19] Als
Darstellungen von Ostendorfers Hand sind die beiden Heroldsblätter daher von
einigem Interesse, umso mehr, als sie zu den relativ wenigen Arbeiten des Künstlers
zählen, die er mit seinem Monogramm signiert hat, bei denen seine Autorschaft
also unumstritten ist. Damit stellen die Heroldsdarstellungen einen der nicht
sehr zahlreichen Fixpunkte in Ostendorfers Gesamtwerk dar, von denen ausgehend
man ihm andere, nicht signierte Werke durch Stilvergleich zuschreiben kann.
Anmerkungen
[1] Der
Namenspatron des Ostendorfer-Gymnasiums Neumarkt i. d. OPf., dem die
Aufsatzreihe OSTENDORFERIANA gewidmet ist. Zu seinem Lebenslauf siehe Gert
Frühinsfeld, "Michael
Ostendorfer. Der Namenspatron des Ostendorfer-Gymnasiums
Neumarkt i. d. OPf.“ In: Jahresbericht
des Historischen Vereins für Neumarkt i. d. OPf. und Umgebung 22/1999, S. 39-46. Vgl. auch Arnulf
Wynen,
Michael Ostendorfer (um 1492-1559). Ein Regensburger Maler der Reformationszeit.
(Phil. Diss.) Freiburg 1961, S. 7-116.
[2]
Sie sind
behandelt bei Wynen [Anm. 1] S.
306-321 (Kat.-Nrn. 77-116). Mit den Fürstenbildnissen werden wir uns in einer
späteren Folge unserer Aufsatzreihe befassen.
[3] Die beiden Blätter
sind (in der Reihenfolge: Deutscher, Böhmischer Herold) dokumentiert, z. T.
auch abgebildet und zuweilen mit Standortnachweisen versehen bei
•
Wynen [Anm. 1], S. 312 f.,
Werkkatalog-Nrn. 92 und 91; angesprochen auch auf S. 160, 163 f., 168 f.; nicht abgebildet.
•
Egon Frhr. v. Berchem: "Die
Herolde und ihre Beziehungen zum Wappenwesen. Eine vorläufige Materialsammlung
zur Geschichte des Heroldswesens". In: v.
Berchem / Galbreath / Hupp: Beiträge
zur Geschichte der Heraldik,
Berlin 1939 (Schriftenreihe der Reichsstelle für Sippenforschung, Bd. 3),
Teil II, S. 115-219; angesprochen auf den S. 184 f. bzw. S. 199, (schlecht)
abgebildet auf den Seiten 195 (Fig. 129; koloriertes Exemplar des Deutschen H.) und S. 196 (Fig. 130, Böhmischer H. ohne Bezugnahme auf Ostendorfer als Autor).
•
Max Geisberg, The German Single Leaf Woodcut 1500-1550, revised and edited by Walter L. Strauss,
Vol. III, New York 1974, S. 937, Nr. G
980 und S. 938, Nr. G 981. Diesem Band sind unsere Abbildungen entnommen. (Die
vermutlichen Inhaber der Abbildungsrechte habe ich in beiden Fällen leider
vergeblich kontaktiert).
•
Hollstein’s
German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400-1700. Vol. XXX Nickel
Nehrlich the Younger to Michael Ostendorfer, Editor Dr. Tilman Frank,
Compiled by Robert Zijlma.
Rosendaal
/ The Netherlands 1991,
S. 200, Nr. 49 und S. 198, Nr. 48 (Beschreibung beider auf
S. 199).
[4] Zur Datierung der beiden Heroldsbilder gibt es einander widersprechende
Angaben. Wynen [Anm. 1] (S. 312 f.,
Nrn. 92 und 91) nennt 1547 für den Deutschen und 1546/47 für den Böhmischen
Herold. Nach anderen Angaben stammen die Arbeiten schon von ca. 1530 und
1535.
[5] Dieser „Rasengrund“ ist nicht „für Ostendorfer typisch“, wie Wynen
[Anm. 1], S. 166, meint, sondern findet sich auch bei einer Vielzahl von
Heroldsdarstellungen anderer Zeichner. Vgl die Abbildungen bei v.
Berchem [Anm. 3], S. 133, 158, 177-183, 184, 206.
[6] Zur Form des Monogramms des Künstlers vgl. Gert
Frühinsfeld, „Ostendorfers
Monogramme.“ In: Jahresbericht des
Ostendorfer-Gymnasiums Neumarkt i. d. OPf. 1991/92, S. 138-141. Die
Signaturen der Heroldsbilder entsprechen dort dem letzten Beispiel des Typs III
der Kategorisierung und der Abb. 11.
[7] Gert Oswald, Lexikon der Heraldik. Mannheim/Wien/Zürich 1984 (1985). Darin zu Aussehen und Funktion der Herolde die Artikel „ausblasen“, „Blasonierung“, „Heraldik“, „heraldisches Gewand“, „Herold“, „Heroldsstab“, „Knappen von den Wappen“, „Tappert“, „Turnier“, „Wappenkleid“. Siehe auch die dortige „Einleitung“, S. 7-16, sowie durchgängig die Ausführungen bei v. Berchem [Anm. 3] und bei Ottfried Neubecker, Heraldik.Wappen - ihr Ursprung, Sinn und Wert. München 2002, S. 10 - 41.
[8] Auch die anderen Abbildungen bei v.
Berchem [Anm. 3] zeigen dieselben Habit-Merkmale. Vgl. z. B. die weiteren
Darstellungen deutscher (bzw. Reichs-)Herolde ebd., S. 133, 147, 149, 158, 169,
170, 184, 191, 192, 194, 206; sowie Neubecker
[Anm. 7], S. 24.
[9] ...wenn man nicht umgekehrt die Form "Herold" als Abschwächung
von "Ehrenhold" verstehen will; dagegen spricht aber der gesicherte
Einfluss des weit älteren frz. "hérault" auf die deutsche Form.
[10] Die Bezeichnungen und Rollen von Vorläuferämtern (in der
geschichtlichen Entwickung und/oder der sich herausbildenden
"Berufslaufbahn") mit Namen wie "Garzune", "Crogieräre",
"Persevanten", usw. können hier nicht weiter verfolgt werden (vgl. v.
Berchem [Anm. 3], S. 118-121 und S. 211-218). Herolde bekamen oft auch
den Beititel "König der Wappen" oder auch "Kündiger der
Wappen" (ebd., S. 139).
[11] Erste Formen des "Blasonierens" im genannten Sinn finden sich
in den Endstrophen der Gedichte des Peter
Suchenwirt in der 2. Hälfte des
14. Jahrhunderts, des ersten Herolds ("Erhalts"), der sich selbst so
bezeichnet (v. Berchem [Anm. 3], S.
129-132).
[12] Beispiele für Amtsnamen: "Teutschland" oder
"Germania", auch "Teutschhold" (vgl. v.
Berchem [Anm. 3], S. 140, 148, 205), "Romreich" (S. 136, 184,
194) u. ä.
–
Die Identifikation unserer Blätter und damit ihre Titel stammen von späteren
Bearbeitern; der auf beiden Drucken identische Text beschreibt nur allgemein die
Funktion der Dargestellten (vgl. Anm. 17). Nur im Druckvermerk unterscheiden
sich beide Aufschriften ein wenig: Einmal ist nur der Name, im anderen Fall
auch die Adresse des Nürnberger Druckers Hans Guldenmundt genannt (sh.
a. Wynen [Anm 1] S. 164).
[13] Herolde sind schon im frühen 15. Jahrhundert auch als Teilnehmer an
Konzilien nachgewiesen, so deren vierundzwanzig am Konzil in Konstanz 1414-18.
Noch 1560 erschienen, wie auch sonst häufig, wenigstens die drei oder vier
wichtigsten Herolde auf dem Turnierfest in Wien, nämlich der Römische, der
Deutsche, der Ungarische und/oder der Böhmische. – Die Herolde fungierten
zuletzt vor allem als Fürstenbegleiter;
vgl. dazu auch das 1517 im Druck erschienene Versepos "Theuerdank",
worin der Titelheld (als "Abbild" des jungen Kaisers Maximilian
I., des Autors dieser selbstbiografischen Schrift) auf seiner Brautfahrt
allerlei Abenteuer erlebt, durch die ihn ein „Erzähler namens Ehrenhold
begleitet" (Stephan Füssel,
Gutenberg und seine Wirkung. Frankfurt a. M. 1999, S. 105).
[14] Vgl. dazu manche Abbildung bei v.
Berchem [Anm. 3].
[15] Vgl. Oswald [Anm. 7], Abb.
S. 197 (Legende S. 196) und Artikel „Heroldsamt“; siehe auch ebd., S. 15.
Vgl. Abbildungsbeispiele bei v. Berchem
[Anm. 3] (auch im 1. Teil dieses Buches). – Auch diese Tätigkeit der
Wappenbuch-Herstellung geht schon bis ins 14. Jahrhundert zurück und ist immer
ein wichtiger Zweig der Tätigkeit der Herolde gewesen.
[16] Wynen [Anm. 1] (S. 163)
spricht ohne genaueren Beleg von der möglichen Begegnung auf dem Regensburger
Reichstag von 1546, was allerdings die späte Datierung der Holzschnitte
voraussetzte.
[17]
Zuweilen sind Herolde zugleich Meistersinger,
wie Hans Rosenplüt (v. Berchem [Anm.
3], S. 127).
–
Der 56-zeilige, frühneuhochdeutsche Text unserer beiden Beispiele sei
nachstehend zitiert (von mir in heutiges Deutsch gebracht; die Zeilenumbrüche
sind mit "/" markiert, erläuternde Ergänzungen in eckige Klammern
gestellt):
Mein
Name ist von Alters her „Ehrenhold“ (Herold) / Vernehmt hiermit, worin mein
Amt besteht!
/ Enea Silvio
[Piccolomini = späterer Papst Pius II., 1405-1464]
beschreibt / ausführlich, wie vor vielen Jahren / die Herolde eingesetzt
wurden, / damit sie Fürsten und Herren über / alle ihre Grenzen hinweg [als
Diplomaten] besuchen sollten. / Denen soll man also mit Ehrerbietung /
Geschenke, Kleinodien und Hofkleidung geben, / und sie in Stand setzen, wie ein
Herr zu leben. / [Man soll] sie sicher geleiten und verteidigen / und
diejenigen hart bestrafen, die sie beleidigen. / Weil sie folgendes hohe Amt
bekleiden: / [Ihnen obliegt,] dass sie Zucht, Ehre und Tugend / handhaben
und verfechten sollen / bei Fürsten, Rittern und Knechten, / [und] dass
sie den Adel kennen / [und] die adligen Geschlechter benennen können
sollen. / Den frommen Fürsten und Adeligen, / sofern die ohne Tadel lebten, /
sollen sie das Wappen blasonieren [im Original "plesinieren" =
beschreiben], / mit schönen Worten hofwürdig ausschmücken, / ihre
redlichen Taten loben und rühmen / und, was man ihnen Gutes nachsagt, blumig
preisen. / Werden aber Fürsten und Adel / ohne Tugend und tadelnswert befunden,
/ indem sie unadelig lebten / [und] gegen Ehre und Tugend strebten / [oder
gar] in Lastern [= im Sündenzustande] verstorben sind, / so sollten
die Herolde sie strafen / nach der Lage der Dinge [und] niemand
verschonen, / jeden nach seinem Tun beurteilen, / damit der angesprochene Adel /
auch seinem Stand entsprechend adelig lebe. / Darum waren sie vor langer Zeit /
bei Königen und Fürsten nah und fern / an deren Höfen weit verbreitet, /
damit der Adel, groß und klein, / sich fleißig um Tugend bemühen sollte / und
sie so sehr wie Silber und Gold schätzen sollte, / weil, [wenn] man die
Tugend nicht mehr ehrt, / [dann] sind auch die Herolde nichts wert. / Da
es aber nun dazu gekommen ist, / dass jedermann immer häufiger sich der
adeligen Lebensweise entzieht / und sich vor den Herolden nicht [mehr]
scheut, / daher ist die Tugend verblasst / und von Unzucht unterwandert. / Sie
kann nicht mehr standhalten, / [da man] öffentlich Schande treibt. / Wer
aber je adelig sein will, / der wende sich der Tugend zu: / In dieser
Schatzkammer findet er bald [Anweisung], / wie Jung und Alt leben
[und] / sich gegen Gott und die Menschen verhalten sollen. / Wie du willst,
dass man dich ehre, / so lebe jedermann unbeschwert. / Das befiehlt dir Gottes
Lehre. // Gedruckt [in Nürnberg] bei Hans Guldenmundt [bei den
Fleischbänken].
–
Eine ähnliche Moralpredigt wie in diesem Text findet sich "natürlich"
auch bei Hans Sachs, und
zwar in seiner Spruchdichtung "Der klagendt Ehrenhold / uber Fürst und
Adel", Nürnberg 1553 (vgl. v.
Berchem [Anm. 3], S. 199 ff.). "[D]ie Sitte und Gebräuche
ihrer Zeit, namentlich die Vorkommnisse an den Höfen und bei der Ritterschaft
in lobenden und strafenden Gedichten zu beleuchten, war ihres [= der
Herolde] Amtes." (v. Berchem
[Anm. 3], S. 215).
[18] Bei v. Berchem [Anm. 3] ist
allerdings eine ganze Reihe von individuell identifizierbaren Heroldspersönlichkeiten
zu finden, die vielleicht porträtgetreu abgebildet sind. Sicher gilt das für Dürers
1520 gezeichnetes (Brust-)Porträt des Caspar Sturm, der seit diesem Jahr
Reichsherold war und Luther auf den Reichstag zu Worms geleitete (v.
Berchem [Anm. 3], S. 141, Fig. 88).
–
Vielleicht hat Ostendorfer einen Herold näher kennengelernt in der Person des
Hans Lutz aus Augsburg, der seit 1529 Herold bei Pfalzgraf Friedrich II. war und
in Regensburg residierte. Er nahm 1532, wie wahrscheinlich auch Ostendorfer, am
Türkenfeldzug des Pfalzgrafen nach Wien teil.
[19] Etwas für Ostendorfer Typisches liegt z. B. in der „so häufig zu
beobachtenden starren Leblosigkeit von Figur und Gesicht“ (Wynen
[Anm. 1] S. 169), die durchaus auch hier ein wenig zur Geltung kommt.
© 2002-2003 Gert Frühinsfeld, Neumarkt [ gertfr@web.de ] Letzte Bearbeitung 27.12.03