0

 

Menschenrechte und Menschenpflichten in der Einen Welt

 

Ein Schulprojekt des Ostendorfer-Gymnasiums im Schuljahr 1997/98

 

 

  Projektidee und Durchführung
  Vorstellung einzelner Projekte
  Fazit

 

 

Projektidee und Durchführung

Die Idee

In den letzten Schuljahren wurde am Ostendorfer-Gymnasium versucht,  bestimmte Jahresthemen als Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit zu formulieren und  umzusetzen.  Im  Schuljahr 1997/98 sollte die Menschenrechtserziehung  im Mittelpunkt stehen. Zum einen legte das 50jährige Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen diese Thematik nahe, zum anderen entsprach die Wahl dieses pädagogischen Schwerpunktes dem spezifischen Schulprofil der UNESCO-Projekt-Schulen, in deren Netzwerk das Ostendorfer-Gymnasium im Status einer interessierten Schule seit November 1996 mitarbeitet.

Die unterrichtliche Umsetzung wurde folgendermaßen geplant:

- Klassen und Kurse konnten sich unter Anleitung von Kolleginnen und Kollegen auf freiwilliger Basis an dem Schulprojekt "Menschenrechte und Menschenpflichten in der Einen Welt" beteiligen.

- Auch was die Auswahl der Arbeitsschwerpunkte betraf, sollte die Idee der freien Themenwahl über das Bestreben einer möglichst vollständigen Abdeckung aller Segmente des Themenkomlexes stehen.

Obwohl stets klar war, dass bei der Durchführung eines solchen Projekts immer auch der Weg das Ziel ist, sollten die Ergebnisse, die die verschiedenen Klassen und Kurse bei der Auseinandersetzung mit der Problematik erarbeitet hatten, im Rahmen einer Abendveranstaltung Schülern, Eltern und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Als Termin legte sich aus schulorganisatorischen Gründen der 18. März nahe, da für diesen Zeitpunkt die erste Landeskonferenz der bayerischen UNESCO-Projekt-Schulen am Osterndorfer-Gymnasium geplant war und am übernächsten Wochenende der Tag der offenen Tür folgte, in dessen Mittelpunkt nach Meinung der Schulleitung dieses Schulprojekt stehen sollte.


Durchführung

Im Rahmen der ersten Lehrerkonferenz des Schuljahres 1997/98 wurde dem Kollegium kurz die Idee des Schulprojekts "Menschenrechte und Menschenpflichten in der Einen Welt" vorgestellt. In einer etwas ausführlicheren Erläuterung, die auch Anregungen für die inhaltliche fächerspezifische Umsetzung enthielt, wurden alle Kolleginnen und Kollegen detailliert über das Vorhaben informiert und zu einem ersten Treffen für Ende Oktober eingeladen, um Termine und Vorgehensweise abzustimmen. Sehr positiv überraschte, dass zu diesem ersten Treffen circa 20 Kolleginnen und Kollegen kamen, die sich zur Mitarbeit bereit erklärten. Beim ersten Arbeitstreffen stellten die Kolleginnen und Kollegen die gewählten Themenschwerpunkte vor; so konnte geklärt werden, wo eine fächerübergreifende Zusammenarbeit möglich war; außerdem konnten thematische Doppelungen vermieden werden. Ebenfalls wurden Möglichkeiten der Präsentation andiskutiert, wobei sich abzeichnete, dass neben einer Ausstellung etliche szenische Bausteine wie Videos, ein Theaterstück, ein Tanz etc. erarbeitet würden.  Unter Mithilfe unserer Bibliothekarin  wurde Anfang Dezember ein Handapparat zur Thematik zusammengestellt, der benutzerfreundlich im Lehrerzimmer bis nach den Weihnachtsferien griffbereit stand. 

Nach dem Termin der Halbjahreszeugnisse begann die heiße Phase der Vorbereitung der Präsentation. Ein Regieteam erarbeitete Ablauf und Rahmen der Abendveranstaltung, durch die eine Schülerin und ein Schüler als Moderatoren führen sollten und in deren Mittelpunkt die Eröffnung der Ausstellung stehen sollte, die inzwischen auf den Umfang von 18 Stellwänden angewachsen war.

Die Bausteine der Ausstellung wurden in chronologischer Reihenfolge angeordnet, so dass sich die Besucher über Reflexionen des Themas in antiken Texten bis hin zu modernen Fragestellungen, die beispielsweise die Gentechnologie mit sich bringt, informieren  konnten.


 

Bausteine der Bühnenpräsentation

6g "Wir alle sind Kinder der Einen Welt" (Tanzszene) 
8b "Menschenrechte" (Spiel)  
9a Ausländerfeindlichkeit (Videofilm) 
10a Song  "Wonderful World" von Daniel Dorner
10m/c Der Mensch - Gottes Ebenbild (meditativer Impuls)
AG Eine Welt Fairer Handel und Menschenrechte am Beispiel Kaffee (Videomontage)  

 

Bausteine der Ausstellung "Menschenrechte und Menschenpflichten in der Einen Welt"  

LK G Menschenrechte in ihrer historischen Entwicklung
6g/11b/11m Bilder zum Thema
LK Latein Sind Sklaven Menschen? Spurensuche in ausgewählten Texten
8a Recht auf Bildung in der Antike und heute
6b Eroberung Amerikas  
10c Sind Indios Menschen zweiter Klasse? Interpretation mittellateinischer Texte zur Eroberung Amerikas  
Fachschaft Französisch Menschenrechte - Anspruch und Wirklichkeit
K. Vogel (LK E) Gandhi - der sanfte Revolutionär
M. Rüd (LK E) Problematik der Todesstrafe in den USA
9m Menschenrechtsverletzungen in den Medien
10d Aktuelle Menschenrechtslage
8a Kinderarbeit in Entwicklungsländern  
8c Menschen(un)würdiges Wohnen
11b/m Menschenrechte und Asylpraxis in Deutschland
GK Bio Gentechnik
AG Eine Welt "Transfair"


Besonderer Wert wurde bei der Vorbereitung der Abendveranstaltung auf eine originelle Gestaltung der Aula der Schule gelegt, in der die Präsentation stattfinden sollte; anders als sonst wurden die Stühle im Halbkreis, aufgelockert in kleine Sitzgruppen, um die zwei Bühnen und die Projektionsfläche gestellt, wobei die unterschiedliche Qualität der Sitzgelegenheiten Symbolcharakter hatte: 'komfortabler' Lehrerzimmerstuhl, Klassenzimmerstühle, Langbänke aus den Turnhallen und Bodenturnmatten  sollten die unterschiedliche Wahrung der Menschenrechte in der Einen Welt verdeutlichen. Rund um das Auditorium waren die Schautafeln der Ausstellung als Rahmen postiert. Die Jazzcombo der Schule wählte feinfühlig zur Thematik passende Stücke aus, um der Veranstaltung einen ansprechenden musikalischen Rahmen zu geben. Nachdem bei der Generalprobe noch die Feinabstimmung bezüglich Sound, Projektion und Beleuchtung geklärt wurde, konnte die Aufführung, zu der per Elternbrief und Presse eingeladen wurde, über die Bühne gehen. Übrigens: Ohne Bühnen- und Beleuchtungsteam, zwei festen Einrichtungen an unserer Schule, wäre die Vorbereitung der Veranstaltung, an der 20 Klassen und Kurse und 30 Kolleginnen und Kollegen beteiligt waren, noch viel aufwendiger gewesen! Über dreihundert Zuschauer fanden am Abend des 18.3. den Weg ins Ostendorfer-Gymasium - eine Zahl, die selbst die kühnsten Erwartungen übertraf.

 

Vorstellung einzelner Projekte

AG eine Welt: Videomontage zum Thema "Fairer Handel und Menschenrechte am Beispiel Kaffee"

Bemerkungen zu dem Szenischen Spiel "Menschenrechte" der Klasse 8b


"Sind Indios Menschen zweiter Klasse?" - Interpretation mittellateinischer Texte zur Eroberung Lateinamerikas. Ein Lektüreprojekt der Klasse 10c


Erlebnisnacht der Klasse 8c

 

 

Fazit

Sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Kolleginnen und Kollegen wurde der Präsentationsabend positiv beurteilt; durch verschiedene Arten der Darstellung sei eine Nachdenklichkeit beim Publikum erreicht worden, ohne dass der abschreckend wirkende moralische Zeigefinger erhoben worden sei. Auch die örtliche Presse berichtete ausführlich über die Veranstaltung. Dass mit dem Thema ein wichtiges Anliegen der Schülerschaft angesprochen wurde, zeigt sich darin, dass die SMV beschlossen hat, ein Turnhallengespräch  zum Thema "Menschenrechte und Menschenpflichten in der Schule" zu organisieren.

Auch die Gemeinschaftsleistung von 20 Klassen und 30 Kolleginnen und Kollegen auf freiwilliger Basis wurde von vielen Seiten als keineswegs selbstverständlich herausgestellt.

Problematisch war in vielen Fällen die Implementierung der Projektarbeit in den Unterricht: Oft waren Ausweichtermine am Nachmittag oder Abend nicht zu vermeiden. In vielen Fällen klappte die fächerübergreifende Zusammenarbeit sehr gut, was ohne Zweifel Flexibilität und Kooperationsbereitschaft vieler Kollegen voraussetzt, ohne die eine solche Unternehmung unmöglich gewesen wäre.

Dass die Schüler ihre Themenschwerpunkte aus Gründen der Motivation selbst wählen konnten, hatte das von einigen kritisierte Fehlen wichtiger Themensegmente wie z.B. "Verbrechen der Nationalsozialisten gegen die Menschlichkeit" zur Folge; auch waren einigen Kolleginnen und Kollegen manche Ausstellungsbeiträge zu wenig tiefgehend; aber auch hier ist anzumerken, dass die selbständige Arbeit der Schülerinnen und Schüler von der Konzeption des Schulprojekts her bewusst in den Vordergrund gestellt wurde.

Summa summarum war das Projekt sicherlich für alle mittelbar und unmittelbar Beteiligten aus folgenden Gründen ein Gewinn: Schülerinnen und Schüler setzten sich in Zusammenarbeit mit ihren Lehrkräften mit einem Schlüsselthema unserer Zeit auseinander, neue Wege des Teamworks mussten sowohl auf Lehrer- als auch auf Schülerseite beschritten werden, die Klassen erlebten am Präsentationsabend eine motivierende Würdigung ihrer Arbeit und, wie eine Schülerin der AG Eine Welt bei der rückblickenden Besprechung sinngemäß bemerkte:

"Dieses Schulprojekt hat trotz Stress und Hektik viel Spaß gemacht."